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Do

19

Jul

2012

Abschiedsgedanken

Wie verhält man sich, wenn man auf einmal merkt, dass ein Jahr voller aufregender und neuer Erfahrungen zu Ende geht? Wenn man auf einmal realisiert, dass alles, was man hier aufgebaut hat nicht bleiben wird. Es ist auf einmal ein Schock, zu merken, dass ich in 5 Wochen wieder zu Hause sein werde. Vor allen Dingen, da 2 der Freiwilligen bereits in einer Woche nach Deutschland fliegen. Dabei kann der Moment der Realisation in den unwahrscheinlichsten Situationen geschehen.
Freitag, 5. Juli: Ruth, eine Spanierin, die auch für einen Monat in unserem Projekt mitgearbeitet hat, fliegt nach 5 Monaten in Indien zurück nach Spanien. Nachdem wir alle ins Auto eingestiegen sind, welches uns zum Flughafen bringen wird, geht die Fahrt los. Und damit auch der Moment der Wahrheit. Denn als wir aus Mankundu herausfahren, schauen wir uns an und haben alle den selben Gedanken. Wir fühlen uns, als würden wir statt Ruth gerade Abschied nehmen. Schließlich stehen wir alle am Flughafen, als Markus auf einmal aus heiterem Himmel einfällt: Verdammt, in 2 Wochen fliege ich ja auch schon. Total geschockt schauen wir uns an. Nee, komm, erzähl doch keinen Blödsinn. Hat er leider auch nicht. Und auf einmal brach alles in Hektik aus. „ Bevor ich fliege, möchte ich aber noch so viel machen.“ Obwohl diese Art der Motivation auch nicht immer negativ zu sehen ist.
Innerhalb von einer Woche haben Milan und ich einen Ausflug mit unseren Adarshanagorekindern organisiert. Als wir gestern bei der Schule ankommen, stehen alle Kinder bereits schick herausgeputzt an der Schule und warten aufgeregt, bis endlich das Auto kommen wird. 25 Kinder und 10 Lehrer nehmen an diesem Ausflug teil. ( Ich gebe zu, dass die Lehrer genauso begeistert von einem Ausflug waren und deswegen eindeutig mehr Lehrer als notwendig mitgekommen sind). Und so ging es los, mit einem Haufen aufgeregter Kinder und Lehrer, die den ganzen Weg sangen und Sprüche riefen. Bereits hier war die Atmosphäre unglaublich schön und gelöst. Die erste Station war Bendal Church. Auf einmal war es still, als die Kinder mit großen Augen die Statuen und Bilder in der Kirche betrachteten. Nur einmal zur besseren Vorstellung, warum die Kinder so reagieren, will ich erwähnen, dass die meisten noch nie aus ihrer Slum community und ihrer Umgebung heraugekommen sind. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum sie alle orte, in denen wir waren, mit mehr Respekt und Bewunderung betrachteten als die meisten Menschen. Da es danach regnete, blieben wir noch in der Kirche und spielten Spiele und aßen Kekse und Eis. Ein Mädchen fragte mich, was wir nun tun würden und als ich ihr erzählte, dass wir später an den heiligen Ganges fahren und Egg rolls ( ein typisches indisches Essen) essen würden, umarmte sie mich, gab mir einen Kuss auf die Wange und sagte: „ Thank you, Miss“. Manchmal berühren einen die Freudereaktionen der Kinder auf solche Kleinigkeiten sehr. Nachdem wir noch eine Moschee besucht und einen Turm hinaufgestiegen waren, ging es dann endlich in den Ganges, wo die Kinder ganz begeistert so dicht wie möglich am Wasser saßen und ihre Egg rolls aßen. Baden wurde ihnen leider so von uns verboten. Nach diesem wunderschönen Tag aber auch anstrengenden Tag  ging es dann wieder zurück.

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So

20

Mai

2012

Hitze-eine ganz neue Definition des Wortes

Wenn ich im März geglaubt habe, in Indien wäre es heiß, so kommt mir das mittlerweile völlig untertrieben vor. Mit 35 Grad fing der Frühling doch gerade erst an. Mittlerweile hat die Hitze jedoch fast ihren Höhepunkt erreicht und ich glaube, im Vergleich zu hier, war mir noch nie in meinem Leben heiß. Wenn man morgens um 6 Uhr aufwacht und bereits schwitzt, bekommt Sommer eine völlig neue Dimension. Aber das Problem ist weniger die Hitze als die Hitze in Verbindung mit der Luftfeuchtigkeit. Besonders schön ist es, wenn nach dem Duschen im Bad so eine starke Luftfeuchtigkeit vorhanden ist, dass Abtrocknen einfach mal völlig sinnlos ist und man genauso verschwitzt aus dem Bad kommt, wie man hereingegangen ist. In Deutschland wird Schwitzen ja irgendwie als etwas ein wenig Ekliges und Unhygienisches betrachtet. Hier ist es einfach völlig normal. Und zwar den ganzen Tag. Umso mehr freue ich mich nachts über die Klimaanlage im Zimmer, weil Jule und ich wenigstens einmal am „Tag“ trocken sind :D Umso schlimmer, wenn der Strom dann doch mal ausfällt, was hier durchaus mal vorkommt. So wie gestern Abend, wo Jule und ich uns dann um halb 12 völlig entnervt ihr Matratze und mein Mückennetz geschnappt haben und auf den Balkon gezogen sind, da zwischen draußen und drinnen einfach mal ein Temperaturunterschied von 10 Grad war. Leider mussten wir dieses Vorhaben nach 10 Minuten wieder aufgeben, weil wir Mücken im Mückennetz hatten. Naja. Umso mehr freut man sich hier, wenn es mal regnet, was im Moment vielleicht so einmal in der Woche passiert. Es ist schon beinahe Tradition geworden, dass wir uns bei Regen erstmal auf die Dachterasse stellen. Trotzdem auch eine gute Erfahrung zumal man sich auch einigermaßen tagsüber an die Hitze gewöhnen kann.

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So

20

Mai

2012

Cricket – eine völlig neue Seite Indiens

Cricket. So unbekannt dieser Sport in Deutschland ist, so berühmt ist er in Indien. Was weiß man in Deutschland so über Cricket? Praktisch fast nichts, außer dass er langweilig ist. Also beschlossen wir, unseren Horizont einmal zu erweitern und kauften Crickettickets für ein Spiel Kolkata gegen Chennai zusammen mit unserem Cricketbegeisterten Gastbruder Tunka und Kousik, ein sehr netter Lehrer und Mitarbeiter von Human Wave. Bereits auf dem Weg zum Cricketspiel fiel uns die geänderte Athmosphäre in Kolkata auf. Zum einen hatten wir uns schlauerweise einen der heißesten Tage ausgesucht, so ca. 45 Grad und zum anderen begegneten wir schon auf dem Weg zum Stadion zigtausenden begeisterten Fans, die Flaggen schwenkten und sich KKR ( Kolkata Knight Riders) ins Gesicht malen ließen. Überall waren Verkäufer, die Flaggen und Malfarben und auch sonstige Fanartikel verkauften. Und wieder einmal bestätigte sich: Wenn Inder etwas zu feiern haben, dann tun sie es gründlich. Nachdem wir uns endlich mit anderen 10000 Fans durch den Eingang gedrängt hatten, wo bereits eine unglaublich aufgeregt Athmosphäre herrschte, Lieder wurden gesungen usw., wurde uns erst einmal trotz festen Sitzplatzkarten gesagt, man könne ich überall hinsetzen ( Ach ja ich liebe Indien). Und dann fing das Spiel an. Für mich war es sehr praktisch, dass ich Tunka neben mir sitzen hatte, der mir immer, wenn ich etwas nicht verstand, die Regeln erklären musste und das passierte echt häufig. Cricket ist doch ein relativ kompliziertes Spiel und ich glaube es macht euch nichts aus, wenn ich auf die Regeln jetzt nicht genauer eingehe ;) . Trotzdem ist Cricket live doch ziemlich spannend, was besonders an der tollen Athmosphäre lag. Sie war gleichzeitig entspannt und gespannt und wenns spannend wurde, sind die Leute immer aufgesprungen und haben auf den Stühlen getanzt. Eine etwas witzige und auch irgendwie typisch indische Sache war, dass ab 10 Uhr abends keine Musik mehr gespielt und keine Ansagen mehr gemacht werden durften ( in KOLKATA, der drittgrößten Stadt Indiens!) Da Shakh Rukh Khan, die Kolkata Knight Riders gekauft hat, war er selbstverständlich auch da, so dass die Menge zwischendruch immer mal wieder für 10 Minuten vom Cricket Spiel abgelenkt war, um ihm zuzujubeln, da er zu einer der größten Superstars in Indien zählt. Cricket gehört zwar immer noch nicht zu meinen Lieblingssportarten, aber der Abend war trotzdem ein tolles Erlebnis

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Fr

30

Mär

2012

Ab aufs Land mit einem Mercedes ;)

Wieder einmal sitzen wir in einem übervollen Zug bei angenehmen 30 Grad. Diesmal aber zu einer Reise der anderen Art. Kein Urlaub, sondern praktisch eine Dienstreise mit unserem Gastvater Tapas und unserem Gastbruder Tunka. Auch die Köchin unserer Gastfamilie war dabei. Einzig Milan fehlte aufgrund Probleme mit seiner Ausreiseerlaubnis für Thailand, wo er sich jetzt grade befindet. Wohin waren wir unterwegs? Zu den Sundurbans, eine Region ca. 2 Stunden südlich von Kolkata, die am Ganges Delta liegt. Eine sogenannte „ rule area“ , also eine einfache Gegend mit kleinen Dörfern, wo der Großteil der Bevölkerung noch in der Landwirtschaft arbeitet und relativ arm ist. Alleine die Gegend zu erreichen gestaltete sich schon zu einer halben Weltreise. Zuerst mit zwei verschiedenen Zügen und dann mit einem vollgestopften Van, in dem ca. 28 Menschen mitfuhren, davon einige auf dem Dach :) Danach ging es weiter mit einem Art Fahrrad mit Motor, hinter dem sich eine hölzerne Ladefläche befand, die überdacht war, auf der wir alle Platz genommen haben. „ Unser Mercedes“, sagte Tapas nur lachend als wir ankamen. Hoheitlich tuckerten wir dann mit dem „Mercedes“ an kleinen Häusern vorbei.

Aber vor der Ortsbeschreibung erkläre ich am Besten erst einmal, was wir dort überhaupt wollten. Da es eine einfache Gegend ist und es sich viele Menschen nicht leisten können, ihre Kinder zur Schule zu schicken, hat Human Wave ( also meine NGO) dort viele Projekte, wo sie Schul- und Tutoralplätze für sehr viel weniger Geld anbieten. So befinden sich dort zwei sehr große Schulen und nicht weniger als 5 sehr gut besuchte Tutorials. Diese sollten wir nun einmal kennenlernen. Begleitet wurden wir von einer Belgierin, die ein Tutorial dort sponsert. Nun waren wir auf dem Weg zu eine der großen Schulen, in der wir dann auch übernachten wollten.

Erster Eindruck: HEIß !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Viel heißer als in Mankundu bestimmt so 36 Grad mit einer sehr hohen Luftfeuchtigkeit, so dass man praktisch den ganzen Tag in seinem eigenen Schweiß badetet :D Schöne Beschreibung, nicht wahr?

Zweiter Eindruck: einfach, aber schöööööööööööööööööön!

Tatsächlich ist die Gegend unglaublich schön. Weite Felder und viele kleine Seen. Dazu die einfachen Lehmhäuser, die sich perfekt in die Natur einfügen. Der Lehm hat übrigens einen Sinn. Da es so heiß wird und Lehm die Häuser unglaublich kühl bleiben lässt, ist das eine sehr gute Lösung, zumal es dort keine Ventilatoren und schon gar keine Klimaanlagen gibt. Leider wird es dadurch auch sehr dunkel in den Häusern, was wir feststellten, als wir in ein Haus hereinschnuppern durften. Elektrizität oder fließendes Wasser ist hier eine Ausnahme, dafür wird die Solarenergie von der Regierung gefördert und so haben die meisten Solaranlagen auf dem Dach oder zumindest Solarlampen.

Aber weiter mit der Beschreibung. So fuhren wir über kleine Wege mit dem ruckelnden Karren, denn Straßen gibt es nicht viele, was ein unglaublich neues aber tolles Gefühl des Reisens war und bestaunten alles, was wir sahen. Unterwegs wurden wir schon von unglaublich vielen Menschen begrüßt. Das ist auch etwas beinahe typisches für diese Region. Die Menschen sind sehr offen und reden auch gerne mit Fremden auch untereinander. Man merkte sofort, dass es dort starke Sozialstrukturen gibt und viel miteinander geredet wird. Allein an dem Bau der Häuser konnte man das sehen. Die Häuser waren so gebaut, dass man vor dem Eingang sitzen und mit dem Gegenüber reden konnte.

Beim Erreichen der Schule wurden wir begeistert begrüßt und es wurde ein Tanz aufgeführt. Wie es hier in Indien so üblich ist, bekamen wir auch Blumenkränze um den Hals gelegt.

Nachmittags machten wir noch einen langen Spaziergang und bestaunten die Natur und die Menschen, die auf den Feldern arbeiteten. Es wirkt vielleicht klischeehalft, was ich hier beschreibe, aber das war es ganz und gar nicht. Manche würden es vielleicht rückständig nennen, aber ich finde das stimmt nicht. Es ist nur anders. Und in mancher Hinsicht vielleicht natürlicher. Fakt ist, dass die Menschen dort nicht anders sind wie ich oder irgendwer anders. Vielleicht sind sie nicht so lange zur Schule gegangen. Ich habe die Menschen als sehr freundlich und neugierig gegenüber Fremden erlebt.

Nach dem Spaziergang war es bereits dunkel und wir liefen mit Taschenlampen ins Haus, bekamen unser Abendbrot und schliefen dann, jeweils zu dritt in Doppelbetten. Auch der Tagesrythmus ist anders. Da es nicht oder nur wenig Elektrizität gibt, gehen die meisten Menschen ins Bett, wenn es dunkel wird, stehen dafür aber auch um 5 auf. Wir machten es ihnen nach und besuchten am nächsten Tag sämtliche Tutorials, die alle sehr gut besucht waren. So bestand der Tag praktisch nur daraus, auf dem Karren bei glühender Hitze herumzufahren und die Gegend zu betrachten und fuhren dann am nächsten Tag wieder ganz gemütlich nach Mankundu.

 

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Mo

26

Mär

2012

Holy oder das Fest der Farben

Wie erlebt man Frühling auf eine ganz neue Art? Ganz einfach. Man geht nach Indien und feiert Holy. Ein ganz besonderes Fest, dass den Einzug des Frühlings und der damit verbundenden Farben feiert. Hauptsächlich geht es um Fröhlichkeit und Farben. Das bedeutet, dass der Holytag darin besteht, in den Straßen herumzulaufen und sich und andere mit Farbe abzuwerfen und zu beschmieren. Bereits ganz aufgeregt, kauften auch wir uns den Tag vorher Pulver in allen möglichen Farbtönen. Rot, pink, lila, blau, gelb, orange...es gab nichts, was es nicht gibt. Morgens standen wir früh auf,  liefen sofort mit möglichst alten Klamotten nach draußen und liefen sofort unserem Nachbarsmädchen in die Arme, der es tierischen Spaß machte, uns das Gesicht mit allen möglichen Farben einzuschmieren. Nach diesem Spaß ( sie bekam genauso viel Farbe ins Gesicht), besuchten wir erst einmal unsere Gastfamilie und setzten die Farbe- ins – Gesicht- Schmiererei fort. Leider hatte ich dann das Pech, ein paar fiesen Jungs in die Hände zu laufen, die das Pulver mit Wasser gemischt hatten und mich komplett damit einschmierten. Sogar meine Zähne waren rot und alle meinten, ich sähe aus wie ein Zombie. Macht nichts. Total in farb- und Schmierlaune gekommen, liefen wir fleißig weiter und wurden sofort von Kindern mit Wasserpistolen angegriffen. Tja, Paintball war gestern, Holy ist heute. Als nächstes besuchten wir Mimi, deren Familie sich sofort in Sicherheit brachte und sich nicht traute, mit uns in einem Zimmer zu sein. Mit unserem Gastbruder zusammen beschlossen wir nach dieser Erholpause, noch die Kinder in Adarshanagore bei meiner Schule zu besuchen. Hätten wir gewusst, was auf uns zukommt, hätten wir es vielleicht gelassen. Markus, der morgens ein weißes Hemd angezogen hatte, mit der Begründung, wenn er offiziell aussehen würde, würde er nicht angegriffen und dessen Plan leider nicht aufgegangen war, war bereits komplett bunt. Alle sahen wir aus wie Paradiesvögel. Auf dem Weg nach Adarshanagore stand eine ganze Horde von Kindern mit Wasserpistolen, die aber eher an riesige Kanonen erinnerten. Was dann passierte, muss ich wohl nicht genauer erläutern, nur, dass wir am Rennen waren und verfolgt wurden. Irgendwann gingen wir zum Gegenangriff über und nun waren es die Kinder, die rannten. Trotzdem würde ich sagen, dass die Wasserfarbe gegen unser Pulver eindeutig gewonnen hat. In Adarshanagore angekommen und bereits völlig bunt, alles war bunt, das Gesicht, die Haare, die Arme, die kompletten Klamotten und die Füße, wirklich alles, war laute Musik zu hören und die Kinder tanzten auf der Straße. Keine Frage, dass jeder sofort von 10 Kindern umringt und eingeschmiert wurde, während jeder Happy Holy rief. So viel Spaß hatte ich schon lange nicht mehr. Auch wenn man dauernd irgendwie Farbe im Mund hatte und die wirklich eklig schmeckt. Nachdem wir alle unsere Farben aufgebraucht hatten, beschlossen wir, dass es Zeit war zurückzugehen. Auf dem Weg trafen wir wieder auf Mimi, die mittlerweile am Wegesrand stand und Vorbeikommende mit Wasserpistolen abschoss. Wieder am Haus angekommen, fragte mich unser Nachbarskind, ob sie mir Farbe über meine Kleidung schütten durfte. Natürlich durfte sie. Noch witziger war jedoch, dass sie unvermittelt einen riesigen Eimer mit Wasserfarbe nahm und ihn mir blitzschnell über den Kopf schüttete. Der Knaller war jedoch der Typ, der danach ankam und mir noch eine ganze Flasche mit unverdünnter Farbe über den Kopf schüttete. Markus, der an der Tür stand, sagte nur, ich glaub jetzt nicht, was ich sehe. Leider war mir so viel Farbe in die Augen gelaufen, dass ich praktisch blind war. Die anderen, die sich halb tot lachten, stellten mich erstmal unter die Dusche. Noch nie habe ich so gründlich geduscht, leider geht die indische Farbe auch relativ schwer wieder ab, weswegen ich immer noch teilweise pinke Haare habe auch der rest meines Körpers noch stellenweise rot ist. Nachmittags waren wir noch auf einer Feier und sangen noch einmal vor ca. 300 Leuten. Dort wurden auch noch sehr viele indische Tänze getanzt und Lieder gesungen. Es war wirklich ein wunderschöner Tag, auch wenn ich abends noch einmal komplett im Gesicht mit Farbe eingeschmiert wurde, was ich nicht so witzig fand, weil ich nun noch einmal duschen durfte. Aber es war ein unglaublich schöner, witziger Tag.

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Do

26

Jan

2012

Ein ganz besonderes Fest - Die Hochzeit meiner Gastschwester

Nun habe ich zum ersten Mal eine vollständige Hochzeit miterlebt und zwar die von meiner 23jährigen Gastschwester Mimi. Eine indische Hochzeit dauert 3 Tage. Die Vorbereitungen fangen jedoch schon Monate zuvor an. Schließlich müssen Saris gekauft werden, ein Raum gebucht, Essen bestellt und ähnliche Dinge erledigt werden. In Indien muss die Familie der Frau den Großteil der Hochzeit bezahlen, da das Mädchen danach in das Haus des Mannes zieht und ab da die Familie des Mannes für sie sorgt. Bereits vor der Hochzeit muss die Familie der Frau für jedes Mitglied der Familie des Mannes einen Sari oder Panjabi besorgen. Andersherum muss jedoch auch die Familie des Mannes das Gleiche für die Familie der Frau tun. Alles sehr kompliziert. Da die Hochzeit auch den Wert und den Stand des Mädchens zeigt, muss alles so teuer wie möglich sein. Es gibt Unmengen zu essen und das Mädchen bekommt als Mitgift sehr viel Goldschmuck und teure Möbel. Das ist auch einer der Gründe, warum viele ärmere Leute immer noch Jungen den Mädchen vorziehen, da diese einfach billiger sind.
Auch wir beteiligten uns und kauften uns für jeden der 3 Tage, die die Hochzeit dauert, einen Sari und schönen Schmuck . Aber für unsere Gastschwester taten wir das natürlich gerne und hatten mit unserer Gastmutter Radna sehr viel Spaß beim Shoppen. Erstaunlicherweise habe ich diesen Monat mein Taschengeld etwas überzogen.
So standen wir am Abend des ersten Tages der Hochzeit voll beschmückt in dem gemieteten Raum zusammen mit den 500 anderen Gästen, die von der Familie der Frau eingeladen worden waren. Bevor der Mann und die Frau verheiratet sind, dürfen sie einander nicht sehen, sodass Rajes unten auf einem Art Thron saß, während meine Gastschwester Mimi ein Stockwerk höher untergebracht war. Eines der weniger schönen Rituale einer indischen Hochzeit ist, dass Mann und Frau am ersten Tage der Hochzeit nach Sonnenaufgang nichts mehr essen, sondern nur trinken dürfen. Essen dürfen sie erst wieder abends, nachdem alle 500 Gäste ihr Abendessen bekommen haben. Somit war meine liebe Gastschwester am Abend wahrscheinlich schon relativ hungrig, trotzdem lachte sie und begrüßte jeden Gast. So beginnt nämlich die Hochzeit, dass die Braut alle Gäste begrüßt und Geschenke entgegennimmt, die meistens aus Saris bestehen. Wie viele Geschenke bei 500 Leuten zusammenkommen, kann man sich wahrscheinlich denken.
Eine Sache, die man sicher über eine indische Hochzeit sagen kann, ist, dass sie unglaublich farbenfroh ist. Alleine schon Mimi war wunderschön geschminkt und mit Blumen geschmückt und jeder Gast kam mit bunten Saris oder Panjabis.

Nachdem Mimi die Gäste begrüßt hatte, was an sich schon eine Weile dauerte, begannen die eigentlichen Rituale. Das nächste, was man an einer indischen Hochzeit bemerkt, ist, dass es unglaublich viele Rituale gibt. Ich beschreibe deshalb hier auch nur die wichtigsten, unter anderem den Moment, an dem sich Frau und Mann zum ersten Mal sehen. Rajes stand mitten im Raum, in den Mimi dann von mehreren Männern hineingetragen wurde mit einem Blatt vor dem Gesicht. Nachdem die Männer sie ein paar Mal um Rajes herumgetragen hatten, durfte sie ihn schließlich ansehen. Ein sehr schöner Moment, da beide anfingen zu kichern, besonders als man Rajes auch hochhob und einen Wettkampf begann, ob die Männer die Frau oder den Mann höher heben können.
Danach fand die eigentliche Zeremonie statt, bei der Mann und Frau schließlich verheiratet werden. Dazu saßen sie sich gegenüber und mussten sich an den Händen halten, während ein Priester sie segnete. Anschließend fand die Zeremonie statt, die in Deutschland das Übergeben der Ringe wäre. In Indien färbt der Mann der Frau den Scheitel des Haares mit roter oder orangener Farbe ein. Sieht man eine Frau in Indien, die einen roten Scheitelansatz hat, so ist das ein Zeichen dafür, dass sie verheiratet ist.
Nach einigen weiteren Zeremonien durfte dann auch Mimi endlich essen, nachdem sie den ganzen Tag gefastet hatte.
Der zweite Tag besteht aus dem Umzug des Mädchens in das Haus des Mannes. Dies war ein sehr emotionaler Tag, da Mimi sich dabei auch endgültig von ihrer Familie trennen muss. Selbstverständlich darf die Familie sie aber immer besuchen kommen. Nicht nur Radna, meine Gastmutter weinte, sondern auch viele andere Familienangehörige. Mimi allerdings nicht. Der Umzug ist in ihrem Fall aber auch nicht so dramatisch, da Rajes eine Straße weiter wohnt. Mimi zieht also nicht weit weg. Abends fand in seinem Haus noch ein Programm statt, bei dem gesungen und sogar ein wenig getanzt wurde.
Am Sonntag, also am letzten Tag, wurden die Freunde der Familie des Mannes eingeladen, da am ersten Tag nur einige Familienmitglieder des Mannes anwesend sein durften. Das Gleiche findet umgekehrt am letzten Tag statt. Dort dürfen nur einige Familienmitglieder der Frau anwesend sein und die Freunde der Familie des Mannes sind eingeladen. Anwesend waren hier über 600 Gäste. Somit fand im Prinzip das Gleiche wie am ersten Tag statt, nämlich das Mimi wieder Gäste begrüßen musste und Geschenke entgegennahm.
An diesem Abend schlafen der Mann und die Frau dann auch zum ersten Mal in einem Raum. Und ab dann darf die Braut das Haus des Mannes für 8 Tage nicht verlassen und nur sehr wenig besucht werden. Nach diesen 8 Tagen ist die Hochzeit dann vorbei. Insgesamt also sehr anders als eine deutsche Hochzeit mit vielen Ritualen, sehr farbenfroh, definitiv interessant aber auch sehr lang und anstrengend.

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Do

26

Jan

2012

Urlaub im Partystaat Indiens - Goa

Urlaub in Goa. Was verbindet man mit Goa? Partys, Hippies und Drogen sind die Sachen die den meisten Leuten einfallen. Ungefähr so stimmt das auch. Nach einer 2einhalb tägigen Zugfahrt in Goa angekommen, bekamen wir beinahe einen zweiten Kulturschock. Das soll Indien sein? Mit unglaublich vielen Touristen, guten Straßen und Orte, in denen es nur Hotels und Bars gibt? Ja stellten wir fest.. Nur ein ganz anderes, viel touristischeres Indien, als wir bisher erlebt hatten. Untergebracht waren wir in einem kleinen Ort im Norden Goas, der nicht ganz so touristisch war, aber auch direkt am Meer lag. Das Zweite, was uns sofort auffiel, war der Temperaturunterschied zum Norden Indiens. Losgefahren in Kolkata bei ca. 15 Grad kamen wir in Goa im Süden Indiens bei ca. 35 Grad und Sonne an. Jule und ich liefen als erstes los und kauften uns einen Bikini. Goa ist so ca. der einzige Platz in Indien, wo man aufgrund der Masse an Touristen einen Bikini anziehen kann. Aber auch hier wird man dann noch von Indern, die Urlaub machen, unglaublich angestarrt. Die nächsten paar Tage verbrachten wir erst einmal ganz gemütlich am Strand. Leider ist Goa durch den Tourismus auch sehr viel teurer als der Rest von Indien und besonders um die Weihnachts- und Sylvesterzeit unglaublich teuer. So brachten wir an einem Strand in Erfahrung, dass eine Beachhütte dort im Sommer umgerechnet ca. 8 Euro kostet und im über 100 Euro pro Nacht. Nur um einmal darzustellen, wie der Tourismus die Preise beeinflusst.
Daher stellten wir uns in Sylvester schon einmal darauf ein, viel Eintritt für die Strandclubs zu bezahlen. Wir hatten jedoch Glück, da wir abends am Strand entlangspazierten und vom Strand dann einen Club betraten. Hätte man ihn von der anderen Seite betreten, hätte es 500 Rupien Eintritt gekostet, vom Strand aus war es aber eintrittsfrei. Verstehe einer die indische Logik.
Also verbrachten wir Sylvester in verschiedenen Hütten am Strand. Um 12 Uhr gab es ein riesiges Feuerwerk und man wurde von völllig fremden Menschen umarmt. Leider merkte ich dort auch zum ersten Mal, dass ich seit 4 Monaten praktisch keinen Alkohol mehr getrunken hatte und überschätzte mich ein bisschen, so dass es mir ab 3 relativ schlecht ging. Bis um 5 blieben wir in den Hütten und tanzten und redeten. Danach gingen wir an den Strand, um uns den Sonnenaufgang anzusehen. Leider stellten wir um 6 fest, dass wir doch müder waren als gedacht. Trotzdem hatten wir ein unvergessliches Sylvester bei 30 Grad am Strand.
Die nächsten Tage mieteten wir Motorroller und erkundeten verschiedene Strände in Nordgoa und besuchten einen Hippiemarkt, der mittlerweile aber leider sehr touristisch ist. Eines der besten Erlebnisse war aber, als wir gemütlich eine Straße entlangfuhren und auf einmal einen Elefanten sahen, der gemächlich mit seinem Reiter die Straße entlangspazierte.
Am 5. Januar fuhren wir dann in den Süden Indiens und schliefen die restlichen 4 Nächte in einer kleinen Strandhütte, welche zu einer schönen Strandbar gehörte, wo am Abend Kerzen angezündet wurden und Johnny Cash und Norah Jones gespielt wurden. Auch die Besitzer und Kellner waren super nett und total witzig, so dass wir eine Nacht eine Party mit einigen Schweden, 2 Finnen und den Indern hatten, bei der wir dann nachts um 5 ins Meer sprangen. Das war wunderschön, da durch irgendwelche Algen ein grünes Leuchten verursacht wurde, wenn man sich im Wasser bewegte. Auch eine sehr unvergessliche Nacht. Mit solchen Erlebnissen ging dann auch langsam ein toller Urlaub zu Ende, da wir am 9. mit dem Zug zurück ins kalte Kolkata fuhren.

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Do

26

Jan

2012

Ein ganz besonderes Weihnachten

Ueber Weihnachten hatte ich mir vorher kaum Gedanken gemacht. Schließlich wird es hier in Indien grundsätzlich nicht gefeiert. Zwar wollten wir Freiwilligen wichteln, aber etwas Großartiges erwartete ich trotzdem nicht und dachte vor Weihnachten sehnsüchtig an das Weihnachten zuhause mit Plätzchen, Kerzen und Schnee. Eine Weihnachtsstimmung wollte unter uns Freiwilligen nicht so richtig aufkommen, obwohl es Ende Dezember doch noch ziemlich kalt geworden war. Am 24. waren Milan und ich noch bei einer Buchmesse, weil unsere NGO dort auch einen Stand hatten und wir zu Werbezwecken auch dort sitzen sollten. Schließlich werden die Leute immer neugierig, wenn sie Deutsche sehen und kommen dann eher zum Stand, um Fragen zu stellen.
Jule und Markus waren zuhause geblieben, um noch eine „Überraschung“ vorzubereiten.
Auch die beiden deutschen Freiwilligen, die im Süden Indiens arbeiten, waren zu Besuch, so dass wir trotz der fehlenden Stimmung schon einen sehr spaßigen Tag hatten.
Doch nachdem Milan und ich von der Messe wiederkamen, traf uns beinahe der Schlag. Im ganzen Haus roch es schon nach Punsch es gab sogar Weihnachtsmützen, die wir aufsetzen mussten. Dann wurden wir unter der Führung von den Weihnachtsengeln Jule und Markus nach oben in unseren Essbereich gebracht und dort erwartete uns eine Riesenüberraschung in Form eines voll eingerichteten Weihnachtszimmers. Als Weihnachtsbaum diente eine große Palme, die vollständig mit Lametta und Sternen geschmückt war. Außerdem gab es einen Teller mit Keksen, die ein paar Tage zuvor in Päckchen angekommen waren. Dazu gab es selbstgemachten Punsch von Meisterköchin Jule. Unter dem Baum lagen die ganzen Geschenke. Überall brannten Kerzen und so entstand doch noch eine sehr schöne feierliche Atmosphäre, die noch schöner wurde, als einer der Freiwilligen aus dem Süden sein Saxophon auspackte und unsere Weihnachtslieder begleitete. Und dann gings ans Geschenkeauspacken. Ich bekam Geschenke zum Thema vegane Weihnachten, nämlich einen richtigen Käse ( der hier normalerweise so teuer ist, dass wir ihn uns nicht kaufen) und eine große Packung Kakaopulver sowie einen Elchenhaarreifen :D
Den Abend wollten wir noch rund abschließen und in Kolkata feiern gehen, wozu wir bereits ein Hotel gebucht hatten. Fröhlich und in Feierstimmung betraten wir das Hotel und unsere Feierstimmung hielt genauso so lange an, wie wir noch nicht bemerkt hatten, dass wir unsere Reisepässe vergessen hatten. Tja, Pech gehabt, ohne Reisepass keine Hotelübernachtung, wurde uns schnell klargemacht, aus Angst vor Anschlägen. So mussten wir unverrichteter Dinge wieder fahren und erwischten noch schnell den letzten Zug zurück nach Mankundu. Nach einer kurzen Phase der Enttäuschung ließen wir uns aber nicht beeinflussen und schauten in Mankundu noch einen Teil der alten BBC Produktion per Anhalter durch die Galaxis. Schließlich freuten wir uns schon auf unseren Urlaub in Goa, der 2 Tage später beginnen würde. Mehr dazu im nächsten Blog.

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Mi

14

Dez

2011

Eine indische Hochzeit

Gestern war ich auf meiner ersten indischen Hochzeit. Es war die von einem Mitarbeiter meiner Organisation, namens Raja. Morgens waren wir Freiwilligen erst einmal Geschenke für Raja und seine Frau suchen. Frauen schenkt man üblicherweise Saris und Raja hat ein schickes T-shirt von uns bekommen. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, wie viel Spaß wir beim Aussuchen der Geschenke hatten. Da eine Hochzeit auch etwas sehr Besonderes ist, muss man sich hier ganz besonders anziehen und so waren Jule und ich noch eine Weile damit beschäftigt passende Schminke wie Lidschatten, Kajal, Eyeliner, Lippenstift, Nagellack und Armreifen passend zu unseren Saris, die wir am Abend tragen würden. Abends half uns dann unsere Gastmutter in unsere Saris. Ich glaube, dass Prinzip, wie man einen Sari anzieht, habe ich mittlerweile verstanden, auch wenn ich weit davon entfernt bin, es alleine hinzubekommen. Nachdem alles, was verrutschen könnte, schön ordentlich festgepinnt worden war, widmeten Jule und ich uns dem Makeup. Und mit Makeup meine ich wirklich alles von Makeup und Puder bis hin zu Lippenstift, Ohrringen, Armreifen und Nagellack. Da ich für die Armreifen hier etwas zu große Hände habe, habe ich vom Verkäufer einen Trick gelernt, nämlich einfach eine Plastiktüte über die Hand zu streifen und da den Armreifen rüberziehen. Warum das ein Fehler war, werdet ihr später noch erfahren. Nachdem wir so also ca. eine Stunde für Makeup gebraucht hatten, liefen wir mit der ganzen Gastfamilie los zur Hochzeit. Sie war allerdings nicht sehr schwer zu finden, da man die Musik schon von Weitem hörte. Und als nächstes sah man das Licht. Überall waren Scheinwerfer aufgestellt. Schon sehr beeindruckt, betrat ich ein großes, grün-rot-gelb-grünes Zelt. Innen waren viele Stühle aufgestellt und am Eingang gab es Kaffee ( Nescafe) mit Milch und Pakora, frittiertes Gemüse. In einem kleinen Nebenraum standen Raja und seine Frau Tumpa. Sie war wunderschön angezogen und geschminkt, mit Verzierungen über ihrem ganzen Gesicht. Ihnen übergaben wir unsere Geschenke. Daraufhin wurden erst einmal hunderte von Fotos und Videos gemacht. Selbstverständlich folgte uns die Kamera danach, wo immer wir auch hingingen, selbst zum Essen. Danach begrüßten wir alle anderen, die wir noch so kannten. Da auf eine Hochzeit so ca. 500 Menschen kommen, kannten wir doch einige. Die Atmosphäre war sehr schön, nicht formal sondern sehr entspannt und aufgeregt. Die Frauen redeten alle durcheinander und wir bewunderten gegenseitig unsere Saris und die Schminke. Nun beschlossen wir mit der Gastfamilie essen zu gehen. Dazu musste man in ein anderes Zelt gehen, dass auch sehr schön mit Blumen geschmückt war und wo Kronleuchter an der Decke hingen. Und das Essen..der Wahnsinn. Ich habe das Gefühl bei den Hochzeiten hier geht es hauptsächlich ums Essen. Außer für die Braut und den Bräutigam, denn die dürfen erst etwas essen, nachdem sämtliche Gäste fertig gegessen haben. Und da nicht alle gleichzeitig essen, kann das dauern. Wie bei Hochzeiten üblich, gab es ca. 10 Gänge.Es fing an mit einem Pakora und Salat, dazu Meerrettichsoße. Danach kamen zwei bestimmte Naan, also eine spezielle Art Brot , mit Dal,einem Linsenbrei, in dem auch Käse und Erbsen enthalten waren. Anschließend gab es Reis eigentlich mit einem Kari aus Ziegenfleisch ( was hier besonders teuer ist) und Fisch, aber für mich gab es ein extra vegetarisches Kari mit Käse, was auch unglaublich lecker war.Selbstverständlich kamen die Kellner noch zwei- oder dreimal mit dem Essen herum und fragten, ob man noch nachhaben wolle. Anschließend gab es dann eine Art Chips mit einem süßen Chattni. Chattni ist eine süße Soße z.B aus Tomaten. Hier war sie aus Honig mit Rosinen und Nüssen drin. Voll lecker. Und danach gab es dann so süße Zuckerbällchen ( eine typische Süßigkeit, die es bei Hochzeiten gibt) . So etwas kennen wir in Deutschland gar nicht. Überhaupt ist der Geschmack von indischen Süßigkeiten sehr anders als bei uns, daher kann ich das gar nicht gut beschreiben. Es ist auf jeden Fall sehr lecker. Und meistens sehr süß mit viel Zucker. Nach diesen Mishtis ( Süßigkeit auf Bengali) gab es dann eine andere Sorte, die nicht ganz so süß war, eher wie ein Kuchenboden nur lockerer und aus Reis gemacht.. Aber auch süß. Und als letztes gab es nun noch eine weiße süße Sorte, in der kleine süße Kugeln herumschwammen, so ein bisschen wie Grießkugeln. So und das wars dann schon. Danach war ich, wie man sich sicher vorstellen kann, auch für den nächsten Tag mitgesättigt. Zum Glück gab es dann eine gute Möglichkeit, seine Kalorien wieder loszuwerden. Als wir nämlich nach draußen gingen wurden wir von Raja und sehr vielen anderen Indern dazu aufgefordert, zu 90er Musik auf der Tanzfläche zu tanzen. Ja es gab eine Tanzfläche mit Discolicht. Da wir Raja diese Bitte nicht abschlagen wollten, ginge wir auf die Tanzfläche. Die Folge davon war, dass wir mit ca. 4 anderen Indern tanzten, während ungelogen 50 bis 100 Inder und Inderinnen um uns herumstanden und zuschauten. Das fand ich dann doch ein bisschen unangenehm, auch bezogen auf die Vorurteile, die ich beschrieben habe, und da es den anderen nicht anders ging, versuchten wir so schnell wie möglich von der Tanzfläche herunterzukommen. Dies gestaltete sich als einigermaßen schwierig, da die Inder uns gerne weitertanzen sehen wollte und uns die Menschenmenge wieder auf die Tanzfläche zerrte. Nach dem dritten Versuch gelang es uns dann aber. Trotzdem war es auch sehr lustig, vor allen Dingen, weil ich danach von vielen Indern ( auch vielen Frauen) angesprochen wurde, dass ich sehr schön tanzen kann. Ich bin ja nicht anfällig für Komplimente. Natürlich existiert jetzt auch ein Video vom Tanzen. Unser Gastvater sah es mit sehr viel Humor und mittlerweile haben wir alle, also auch die Gastfamilie beschlossen, alle zusammen bei der Hochzeit meine Gastschwester im Januar zu tanzen. Auf Hochzeiten haben wir festgestellt, ist es auch absolut kein Problem zu tanzen, wobei es bei anderen Festen für Frauen nicht ganz angemessen ist.

Mittlerweile war es schon ziemlich spät geworden und so gingen wir wieder ins erste Zelt, um uns von Raja und seiner Frau zu verabschieden. Dort wurden noch einmal eine Menge Fotos gemacht, so dass wir dann um kurz nach 12 die Hochzeit verließen. Alle waren sehr aufgedreht und es wurde noch viel geredet und gelacht. Insgesamt war es ein tolles Erlebnis mit einer sehr schönen Atmosphäre, etwas ganz Besonderes. Eine Hochzeit dauer immer 3 Tage, aber nu die Familie ist an allesn drei Tagen dabei. Deshalb freue ich mich schon sehr auf die Hochzeit meiner Gastschwester, da ich dort alle 3 Tage mitbekomme. Die Einzigen, die bei einer Hochzeit nicht ganz so glücklich sind, ist die Braut und der Bräutigam, da sie kaum etwas essen und sehr wenig schlafen.

Als wir wieder zuhause waren und uns abschminkten, versuchte ich auch, den Armreifen auf die gleiche Weise abzuziehen, wie ich ihn an meine Hand bekommen hatte. Leider war meine Hand aber offensichtlich angeschwollen, so dass ich den Armreifen auch mit der Plastiktüte nicht mehr abbekam. Letztendlich endete es so, dass ich Spülmittel auf die Plastiktüte schmierte und Jule mit ihrem ganzen Gewicht am Armreifen ziehen musste. So brach sie mir zwar beinahe meinen Daumen, aber wenigstens bekam ich so den Armreifen ab. Blaue Flecken hab ich trotdem bekommen.

Da ich gestern dann erst um kurz nach 1 im Bett lag, könnt ihr euch ja vorstellen, wie ich mich heute fühlte, als mein Wecker um 6 Uhr 30 klingelte. ;)

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Fr

02

Dez

2011

Varanasi – gefangen zwischen Spiritismus und Moderne

Nun sind wir doch tatsächlich schon das zweite Mal in den Urlaub gefahren. Dieses Mal waren wir in westlicher Richtung unterwegs, nämlich zur Stadt Varanasi, die im Staat Byihar liegt. Varansi ist die heiligste Stadt in Indien und gleichzeitig eine der ältesten Städte der Welt. Vorher gehörte Berichte reichten von wunderschön bis zu unglaublich dreckig. Dementsprechend waren wir sehr neugierig, was uns so erwarten würde. Nach einer 12stündigen Zugfahrt und 2 Stunden Verspätung waren wir dann auch schon da. Kaum ausgestiegen, erwarteten uns jede Menge Rikshafahrer, die uns in ihre Hotels bringen wollten. Da wir keine Ahnung hatten, wo unser Hotel lag, riefen wir dort an und uns wurde gesagt, dass jemand geschickt werden würde. 2 Minuten später stand auf einmal ein Mann vor uns, der uns in unser Hotel bringen wollte. Wir waren über die ungewöhnliche Schnelligkeit der Dinge zwar verwundert, dachten uns aber nichts weiter, bis wir dann im Hotel waren und er Geld von uns wollte. Naja, immerhin waren wir im richtigen Hotel, das auch sehr billig war. Jule und ich hatten sogar ein Bad auf unserem Zimmer. Sehr lustig war es, wenn man sich auf die Toilette setzte, da es von der Decke tropfte und man so gleich unfreiwilig duschte. Außerdem wurde uns abends einmal das Wasser abgestellt, aber dafür waren die Zimmer sehr schön. Nachdem wir uns erst einmal häuslich eingerichtet hatten, beschlossen wir, die Stadt zu erkunden. An Varanasi ist das Schönste, dass die Stadt praktisch nur aus kleinen Gassen besteht, in denen man sich wunderbar verlaufen kann. Es gibt nur sehr wenig große Hauptstraßen. Auch unser Hotel war in einer kleinen Nebengasse. Außerdem liegt Varanasi direkt am Ganges. Also liefen wir ziellos los....ca. 200 Meter, bis zum nächsten Restaurant, da wir feststellten, dass wir noch gar nicht richtig gefrühstückt hatten und es bereits Mittag war. Das Restaurant war sehr niedlich und klein. Außerdem gab es unglaublich scharfes Essen, weil uns frische Chilis ins Essen geschnitten wurden. Ich konnte es tatsächlich nicht aufessen, obwohl sich mein Schärfegrad schon deutlich erhöht hat. Milan war trotzdem am Schlechtesten dran, da er sich ein Chili hot and spicy bestellt hatte. Deshalb bestand sein Essen praktisch nur aus Chilis. Nachdem wir so gestärkt waren, beschlossen wir erst einmal den Ganges und damit auch die Ghats zu suchen, für die Varanasi berühmt ist. Ghats sind in etwa Promenaden am Ganges mit Stufen zum Wasser. Somit kann man praktisch von der einen Seite von Varanasi zur anderen direkt am Ganges entlanglaufen. Da wir nicht genau wussten,wo der Ganges liegt, verliefen wir uns erst einmal in den kleinen Gassen und standen irgendwann in einem kleinen Hof, von wo man aus einen tollen Blick auf die Stadt und den Ganges hatte. Bevor wir den Hof betreten durften, mussten wir alle unsere Schuhe ausziehen und als wir zurückkamen, stellten wir fest, dass Jules Schuhe gestohlen worden waren. Daher lief sie von da an barfuß weiter. Nachdem es nun schon dunkel geworden war, fanden wir endlich den Ganges und die Ghats, die wir schon den ganzen Nachmittag gesucht hatten. An 2 Ghats finden den ganzen Tag Leichenverbrennungen statt und so stolperten wir praktisch darüber. Leichenverbrennung hört sich hier sehr kurios und unheimlich an, aber es hat eine sehr zeremonielle Atmosphäre. Zuerst werden die in weiße Leinentücher gewickelten Menschen, die auch mit bunten Blumen und Tüchern geschmückt sind, auf einer Bahre zum Ganges getragen. Dort werden sie dann auf einige Holzscheite gelegt und noch mehr Holz zusammengesammelt, bevor sie angezündet werden. Die Szene wirkt sehr friedlich und andächtig. Natürlich ist es schockierend, wenn man auf einmal Knochen oder einen Schädel im Feuer entdecken kann, aber es ist auch seltsam faszinierend. Hier ist der Tod noch ein öffentlicher Teil des Lebens. Viele Menschen lassen sich hier verbrennen, da sie glauben, dass sie Erlösung finden, wenn ihre Asche in den Ganges gestreut wird. Nachdem wir noch einige Zeit an den Ghats herumgelaufen waren und einige Pujas, sowie andere Zeremonien miterlebt hatten, die hauptsächlich daraus bestanden, dass Priester am Ganges tanzten, versuchten wir, unser Hotel wiederzufinden. Natürlich verrirten wir uns bei dem Versuch und landeten in kleinen, dunklen, zwielichtigen Gassen, wo wir sehr froh waren, als wir die Hauptstraße und schließlich auch unser Hotel fanden.

Nachdem wir am Sonntag dann gemütlich ausgeschlafen hatten, beschlossen wir, es langsam angehen zu lassen und erstmal frühstücken zu gehen. Und was für ein Frühstück. Wir waren in einem etwas westlicheren Cafe und bekamen dort.... Cafe Caramell mit echtem Filterkaffee und aufgeschlagener Sahne!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Dazu muss ich vielleicht erklären, dass es in Indien praktisch keinen Filterkaffee gibt. Was die Leute hier unter Kaffee verstehen, bezieht sich im Wesentlichen auf Nescafepulver. Dazu gab es JOGHURT ( was war das noch mal? ) und MÜSLI ( krass!!!!!!!!!!!) sowie Bananen mit Honig. Und als Krönung ein Tonaten -Käse Sandwich. Da merkt man doch einmal, dass es manche Sachen gibt, die ich hier doch nicht esse. Trotzdem ist das indische Essen so gut, dass mir die Sachen meistens auch nicht fehlen. Ziemlich glücklich verließen wir das Cafe, in der Absicht nun einige Tempel zu besichtigen. Wir kamen aber nicht besonders weit, da wir in derselben Straße einen tollen Klamottenladen entdeckten mit bunten, weiten Hosen und billigen Kashmirschals und die nächsten 2 Stunden mit Shoppen verbrachten. So war es schon wieder 2 Uhr, als wir uns auf die Suche nach den Tempeln machten. Und damit waren wir auch erst einmal eine Weile beschäftigt. Es ist nämlich gar nicht so einfach, einen Tempel zu finden, wenn man vorher nicht nachschaut, wo er ist und sich darauf verlässt, dass man einfach Leute auf der Straße fragen kann. Doch nachdem wir schon einige interessante Stadtviertel durchlaufen hatten, gelangten wir schließlich zum Monkey Tempel, der seinen Namen von den ca. 200 Affen erhält, die im und am Tempel sowie auf dem Tempelgelände herumlaufen. Milan sichtete sogar einen auf dem Herrenklo. Es ist praktisch ein Wildlife Zoo, bestehend aus Affen und ich muss zugeben, dass ich von den Affen mehr fasziniert war als vom Tempel, obwohl der auch sehr schön war. Leider ist dort Fotografieren strengstens verboten. Den zweiten Tempel zu finden, war eine noch größere Herausforderung, da dieser außerhalb der Innenstadt lag. So erreichten wir ihn erst sehr erschöpft nach Einbruch der Dunkelheit. Der Aufwand lohnte sich aber, da der Tempel wunderschön aussah, wie ein Schloss, innen mit schwarz- weißen Kacheln ausgelegt und von außen gelb angestrahlt. Er hatte auch einen sehr schönen Garten mit Bänken und Bögen. Nachdem wir uns dort von unserem anstrengenden Nachmittag erholt hatten, machten wir uns mit einer Autoriksha auf den Rückweg, die uns für zu viel Geld zum falschen Ghat fuhr. Damit hatten wir wieder einmal keine Ahnung, wo wir waren. Das Gefühl war uns aber mittlerweile schon ziemlich vertraut und so liefen wir einfach an den Ghats entlang in Richtung Süden, bis wir uns nach einer Viertelstunde wieder in uns bekannten Gegenden befanden. Schließlich gelangten wir auch diesen Tag müde aber glücklich in unser Hotel zurück.

Den letzten Tag hatten wir uns vorgenommen, morgens den Sonnenaufgang am Ganges zu beobachten und standen schon um 5 Uhr auf. Leider waren wir so eine Stunde zu früh auf und mussten feststellen, dass die Sonne erst um 6 Uhr aufgeht ( Mist, Mist, Mist). Also liefen wir noch eine Stunde ziellos an den Ghats herum mit einem Cha in der Hand und unsere Gedanken wurden nur durch die ständigen Rufe: „ Sir, Miss want a boat? Very cheap boat“ unterbrochen. Dieser ständigen Beeinflussung unterlegen, beschlossen wir, tatsächlich eine Bootstour zu machen. Eine sehr gute Idee, wie sich herausstellte. So früh waren noch nicht viele Boote unterwegs und es war schön und gleichzeitig atemberaubend zu sehen, wie die Sonne langsam über den Häusern aufgeht und diese golden anstrahlt, während das Wasser glitzert. Eine einmalige Schönheit, die sich dort offenbarte und die wir beinahe ehrfürchtig betrachteten. Nachmittags gingen wir zum letzten Mal an die Ghats, wo die Jungs gleich von 2 Indern eingeladen wurden, doch ein Bad im Ganges zu nehmen, um sich reinzuwaschen. Jule und ich sahen dabei zu, wie die Jungs badeten in dem doch sehr dreckigen Ganges, wo tags zuvor eine tote Ziege vorbeigetrieben war. Danach nahmen wir uns ein Boot, um auch einmal die gegenüberliegende Seite vom Ganges zu erkunden und fanden dort tatsächlich feinsten Sandstrand und Dünen. Keine Ahnung, wie das da hinkommt. Es war so schön, dass wir den restlichen Nachmittag dort verbrachten und dann abends sehr traurig in den Sleeper Zug stiegen. Besonders faszinerend an Varanasi ist die Mischung aus Spiritismus, wie die vielen Tempel und Gläubigen, die die Stadt besuchen und im Ganges beten oder die heiligen Totenverbrennungen und gleichzeitig die touristische Seite der Stadt zu sehen, mit vielen westlichen Cafes, Touristenshops und selbstverständlich vielen Touristen. Trotz der vielen Menschen liegt dort eine ruhige, entspannte Athmosphäre in der Luft.

Milan und ich lernten zum Schluss noch eine sehr gute Lektion, nämlich: Iss niemals Pilze in Indien, der Magen reagiert darauf sehr heftig, mit dem Resultat, dass die Heimfahrt eine der schlimmsten meines Lebens war.

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Sa

12

Nov

2011

Deutschland= Fußball und Hitler? Über Vorurteile und Klischees

Zugfahren in Indien ist echt ein unglaubliches Erlebnis. Manchmal ist es so voll, dass man sich fragt, wie man je wieder aus dem Zug aussteigen soll und an anderen Tagen ist es so leer, dass überall freie Plätze sind. Witzig ist auch, dass es extra Frauenabteile gibt, in die keine Männer dürfen. Manchmal macht man auch sehr nette und interessante Bekanntschaften im Zug. So wie neulich, als ich die junge Rohini im Zug traf. Sie sprach mich an und meinte, ich wäre ihr sofort aufgefallen, weil ich so eine schöne Nase und so schöne Augen hätte. Allgemein sei ich sowieso sehr hübsch. Ich fand das sehr nett von ihr und hab mich über das Kompliment gefreut, muss aber zugeben, dass es keine Seltenheit ist. Dies ist eines der Vorurteile, die Inder gegenüber Europäern haben, auch wenn dieses nicht unbedingt negativ ist ( Es ist sehr nett, wenn einem Leute erzählen, dass man eine schöne Nase hat, zumal ich sie überhaupt nicht mag ;). Aber Rohini informierte mich auch über ein anderes Vorurteil, von dem ich bis zu diesem Zeitpunkt noch überhaupt nichts wusste. „ Und ich dachte immer, Europäer haben keine Emotionen, denken nur logisch und sind unglaublich kühl“ beginnt Rohini. Wamm! Für mich erstmal ein krasser Schock. Erstaunt frage ich: „ Wieso denkst du das denn?“ Und sie antwortet: „ Das denken alle, man erzählt es sich auf der Straße“. Nächster Schock. Und ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch nie davon gehört. Netterweise setzte Rohini noch hinzu: „ Aber jetzt kann ich sehen, dass das nicht stimmt. Absolut nicht“. Was mich dann doch ein bisschen rettete. Dies war meine erste Auseinandersetzung, mit den Vorurteilen, die es hier gibt. Das gleiche Vorurteil begegenete mir noch mal in Kolkatte in einem Buchladen, wo mir der Verkäufer erzählte, ich hätte ja keine Emotionen, weil ich Europäerin sei, aber wenn ich viel lesen würde, könnte ich lernen, welche zu haben. In dem Moment war ich sehr froh, dass ich dieses Klischee schon kannte, denn in so einem Moment ist es sehr schwierig, sich eine passende Antwort zu überlegen. Doch nach einigem Nachdenken und der Zeit, die ich hier lebe, muss ich auch zugeben, dass Europäer kühler sind, als Inder. Natürlich haben wir emotionen, aber da man in Deutschland nicht einfach zu fremden Menschen nach Hause eingeaden wird, kann ich den Ursprung dieses Klischees schon verstehen.

Ein anderes Klischee schockte mich dann aber doch noch einigermaßen mehr, auch wenn es mich auch immer noch tierisch amüsiert. Den einen Abend hatten die Jungs unterwgs einen jungen Inder getroffen, sich kurz mit ihm unterhalten und ihm ihre Hanynummern gegeben. Dies führte zu einer der lustigsten SMS, die ich jemals gelesen habe, mit folgendem Wortlaut: Is it true, that german girls are truly interested for sex? Deswegen sollte man als Deutsche hier nie zu viel mit den Männern reden, da dies ebenfalls ein gängiges Klischee ist. So unterhielt ich mich auch den einen Tag mit einem Mann im Zug, der scheinbar sehr interessiert an meiner Arbei in der NGO war und ich gab ihm meine Emailadresse. Er schrieb mir folgende Email: Hey. I really enjoyed talking to you about the NGO. Do you want to be my friend? Eine Antwort war das nicht wert, obwohl ich beim Lesen schon meinen Spaß hatte. Auf der anderen Seit muss man auch sehen, dass im europäischen Fernsehen recht viel Sex vorkommt und dort immer weiße Frauen zu sehen sind.

Am besten gefällt mir jedoch immer noch die erste Reaktion der Menschen, wenn wir sagen, dass wir aus Deutschland sind. Was sagen die Menschen als erstes? Dreimal dürft ihr raten...Oh Football. I love the german team, like Michael Ballack and Oliver Khan. Mich nervt das unglaublich. Warum ausgerchnet Fußball? Warum nicht irgendeinen Sport, den ich mag. Und dann kommt immer die Frage: Do you like football? Sagt man dort nein, ist man in den Augen der Inder praktisch kein Deutscher mehr...Hihi Nein Spaß. Was nicht ganz so witzig ist, ist die zweite Reaktion auf den Namen Deutschland. Dort kommt dann nämlich...Hitler. Manchmal werden wir gefragt, ob die Mauer noch steht. Und da Indien durch den zweiten Weltkrieg seine Unabhängigkeit bekam, wird Hitler auch nicht immer negativ beschrieben. So habe ich auch schon öfte den Satz gehört: He was a very strong man. Das Hitler ein sehr schlechter Mann war, wollen einige dann immer nicht so recht verstehen.

Natürlich ist das Unwissen teilweise erschreckend, aber auf der anderen Seite wissen wir Deutschen ja im Grunde auch nicht mehr über Indien und haben die gleichen Vorurteile. Deshalb kann ich auch keinen dafür verurteilen und immer nur versuchen, die Vorurteile zu wiederlegen. Da die Menschen hier aber meistens so unglaublich nett sind, fällt mir das nicht schwer

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Mo

24

Okt

2011

Abenteuerurlaub in Darjeeling

Aufregung bei uns Freiwilligen. Der erste Urlaub steht an. Als erstes Reiseziel hatten wir uns Darjeeling ausgesucht. Also gings am 07. zuerst nach Kolkatta und von da dann mit dem Nachtzug über 10 Stunden nach New Jalpaiguri ( für indische Verhältnisse eine relativ kurze Reise). Zug fahren in der Sleeper Class war das erste Erlebnis, da man dort Liegen aus Leder hat, so dass jeder im Prinzip sein eigenes Bett hat. Eine ziemlich coole Erfindung. In New Jalpaiguri nahmen wir ein Sammelttaxi nach Darjeeling. Auch das war bereits ein Erlebnis für sich. Mit 10 anderen Menschen in einem Jeep über 4 Stunden die Berge an steilen Bergstraßen ohne Geländer entlangfahren. In der Zeit waren wir praktisch damit beschäftigt, uns die wunderschöne Landschaft genau einzuprägen. Und als wir auf 2000 Metern Höhe Darjeeling erreichten, waas war meine erste Empfindung? Ein seltsames Gefühl, dass ich kaum einordnen konnte. Eine Gänsehaut und ein taubes Gefühl in meinen Fingerspitzen. Moment mal, ist das etwa... KÄLTE????? Ein Gefühl, welches ich jetzt seit über einem Monat nicht mehr erlebt habe. Und dann taucht Darjeeling aus dem Nebel vor uns auf. Praktisch in den Berg gehauen, eine wunderschöne, bunte Stadt. Überall sind bunte Fahnen aufgehängt und ich fühle mich an unseren Rummel erinnert, bis uns erklärt wird, dass es buddhistische Fahnen sind. Blau steht für den Himmel, weiß für Wasser, gelb für die Sonne, grün für das Land und rot für???. In Darjeeling verbrachten wir jedoch nur 2 Tage, da wir danach eine viertägige Trekkingtour am Rande des Himalalya unternahmen. In diesen 2 Tagen besuchten wir den berühmten Zoo in Darjeeling, in dem es einen Schneeleoparden, schwarze Panther, Tiger, Himalayawälfe und (meine neuen Lieblingstiere) rote Pandas gibt. Außerdem standen wir morgens um halb 4 auf, um uns den Sonnenaufgang auf dem Tiger Hill, einer berühmten Aussichtsplattform anzusehen. Und selbstverständlich probierten wir eine Menge von Darjeelings berühmtem Tee. Außerdem entdeckten wir in Restaurants auch andere uns bis jetzt unbekannter Köstlichkeiten wie Momos, Teigfladen, in welchen vegetarisches Gemüse eingebacken ist. Das ist mein neues Lieblingsessen. Am nächsten Tag begann bereits unsere Trekkingtour. Als erstes fuhren wir nach Rimbick, wo unsere Tour am nächsten Tag beginnen würde. Dort wurden wir von unserem 34jährigen Guide abgeholt, bei dem wir dann noch eine Nacht schliefen. Und dann gings los. Rimbick liegt bereits auf 2600 Metern Höhe. Trotzdem mussten wir den ersten Tag noch 1000 Höhenmeter überwinden, da wir 16 km nach Sandakphu liefen, welches auf 3600 Metern Höhe liegt. Mit unserem Guide hatten wir eindeutig Glück, da er unglaublich witzig war und man mit ihm auch mal abends einen Brandy trinken konnte, um warm zu werden( kein Scherz, nachts waren es fast 0 Grad, was haben wir gefroren). Bereits den ersten Tag waren wir froh trotz den Anstrengungen diese Tour unternommen zu haben, weil die Landschaft unbeschreiblich schön war. Gegen Mitttag erreichten wir dann völlig erschöpft Sandakphu, ein niedliches kleines Dorf, was direkt an der Grenze zu Nepal liegt. Total witzig, wir haben nämlich in einem Hotel in Nepal übernachtet, also kann ich jetzt sagen, dass ich auch schon in Nepal war. Da es in den Hütten und allgmein in Indien keine Heizungen oder ähnliches gibt, ist es schon interessant, da es drinnen oft noch kälter ist als draußen. Diesen Nachmittag verbrachten wir mit Skatspielen. Am nächsten Morgen standen wir bereits wieder um 5 auf und konnten dafür einen tollen Sonnenaufgang und einen unglaublichen Blick auf den von hier sehr nahen Kanchenjunga und Mount Everst werfen. Dann gings auch schon weiter, diesmal 21 km bis zum auf 3000 Meter Höhe liegenden Phalut. Ein wunderschöne Strecke, in der man die ganze Zeit einen unglaublich klaren Blick über die Berge hatte, auch wenn es manchmal steil bergauf ging. Da wir in Phalut vorher kein Hotel buchen konnten und der Ort aus 2 Hütten besteht, wollten wir es früh erreichen, um noch einen Schlafplatz zu bekommen. Mit dieser Motivation liefen wir gleich doppelt so schnell und erreichten Phalut in Rekordzeit. Erst eine andere Person war auf dieser Strecke schneller als wir. Netterweise gab es auch och genug freie Plätze und diese Nacht schliefen wir auf einer Hütte, exakt wie man es sich vorstellt. Gekocht wurde unter dem Feuer, die Hütte war aus Holz und Elektrizität oder warmes Wasser gab es nicht ( gab es aber nirgendwo während des Trekkens). Habt ihr euch schon mal bei gefühlten 10 Grad mit eiskaltem Bergwasser abgeduscht? Es ist eine Erfahrung wert. Auch hier standen wir am nächsten Tag um halb 5 auf, kletterten noch einen Berg hinauf und erlebten hier einen noch schöneren Sonnenaufgang als den Tag zuvor auch wenn die Sicht auf den Kanchenjunga leider bedeckt war. Später durften wir dann unser Frühstück draußen in der Sonne essen. Stellt euch das mal vor, du sitzt in der Sonne auf 3000 Metern Höhe, hast einen wunderschönen Rundumblick auf die Berge, hinter dir ist der Himalaya und du sitzt dort, spielst Karten und isst ein unglaublich geiles Frühstück nämlich tibetanisches Brot. Das schmeckt ein bisschen wie Karpfen. Einfach total lecker. Während du dort sitzt, siehst du unter dir eine Yakherde langmarschieren ( ja die gibt es hier) und genießt deinen Tee mit Yakmilch ( schmeckt ein bisschen wie Ziegenmilch nur nicht ganz so stark). Yakkäse haben wir auch probiert, ich mag ihn nicht so. Das war so schön, so leicht und lebendig habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt. In dem Moment war ich unglaublich glücklich. Aber auch von dort mussten wir irgendwann weitergehen. Dieser Tag war sehr entspannt, da es in das 1000 Meter niedriger liegende Gorke ging. So liefen wir entspannt 14 km bergab und auf einmal wurde es richtig warm, so dass wir sogar im Tshirt draußen sitzen konnten. Dort genossen wir dann erst mal ein Bier aus dem angrenzenden Sikkim ( ein weiterer Staat Indiens, in dem man aber als Ausländer nicht so leicht reinkommt. Es war sehr lustig, da der Fluss in Gorke die Grenze zwischen West Bengal und Sikkim ist. Dementsprechend liefen wir nachmittags ganz gemütlich über eine Brücke und verbrachten den Nachmittag illegal in Sikkim :D Abends probierten wir ein lokales Bier namens Tungba, in welchem die Körner für den Alkohol vorhanden sind und dann heißes Wasser drübergeschüttet wird, so dass der Gärungsprozess dann erst im Becher stattfindet. Getrunken wird es dann aus einem Bambusstrohhalm. Nach dem leckeren Bier wurde es dann auch Zeit fürs Bett und somit brach dann schon der letzte Tag unseres Trekkens an, an welchem wir dann 26 km über ein kleines Bergdorf namens Srikola wieder zurück nach Rimbick liefen. Auch wenn ich meine Waden schon deutlich spürte, war dieser Abschnitt sehr angenehm zu laufen. Abends kamen wir dann erschöpft aber glücklich über die neuen Erfahrungen und wunderschöne Landschaft wieder in Rimbick an, wo uns von der Mutter unseres Guides total leckere Momos serviert wurden und wir noch einen tollen Abend verbrachten. Tja und den nächsten Tag gings dann schon wieder etwas melancholisch zurück nach Mankundu, da uns die tollen Erfahrungen und die Berge noch nicht losließen. Trotzdem war es auch wieder sehr schön, in unsere Gastfamilie zu kommen und wieder zur Schule zu gehen. Außerdem war es endlich wieder warm! Als Dank für die vielen Klimawechsel von warm zu kalt und wieder zu warm habe ich jetzt zwar erst einmal eine Erkältung aber da unser Urlaub etwas ganz besonderes war, ist dies ein angemessener Preis.

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Mo

17

Okt

2011

Durga Puja

Pendal in Kolkatta
Pendal in Kolkatta

Was ist Puja? Übersetzt bedeutet Puja so viel wie Ehrerbietung und das ist es vom religiösen Ansatz auch, auch wenn heutzutage es eher wie ein großes kulturelles Fest gefeiert wird, etwa so wie bei uns Weihnachten. Und doch ist es etwas völlig anderes, neues, faszinierendes. Es gibt in Indien nicht nur ein Puja sondern sehr viele verschiedene, da es in einem Puja auch nur um einen Gott geht. Dieses Puja hieß Durga Puja und ist besonders in Kolkatta bekannt, da Durga eine Schutzgöttin ist. In 2 Wochen ist ein anderes Puja, welches besonders in Chandannagar bekannt ist.

Da der Hinduismus viele verschiedene Götter kennt, gibt es auch einige verschiedene Pujas.

Die Grundstruktur des Hinduismus besteht in den drei Hauptgöttern Brahma, der Schöpfer, Vishnu, der Bewahrer und Shiwa, der Zerstörer. Dies ist sozusagen die höchste Ebene des Kreislaufs Leben nämlich geboren werden, leben und sterben. Alle anderen Götter sind spezieller und stehen sozusagen für einzelne Aspekte im Leben wie z.B Krishna die Göttin der Liebe.

Durga ist die Göttin des Schutzes. Als die Erde von einem grausamen Dämon überfallen wurde, versuchten die anderen Götter ihn zu stoppen, schafften es aber nicht. Daraufhin erschufen sie Durga und jeder gab ihr eine Waffe. Deshalb hat Durga auch 10 Hände, die 10 verschiedene Waffen halten. Zusammen mit ihrem Haustier, einem Löwen besiegte sie den Dämon. Durga hat 2 Söhne und 2 Töchter, die Göttin der Bildung, die Göttin der Wirtschaft, den Gott der Soldaten und Ganesh, der Gott des Glückes und den Geschäftsleute hier an den Wänden hängen haben. Das Besondere an Ganesh ist, dass er einen Elefantenkopf hat.

Puja ist hier in Indien ein ziemlich großes Ereignis wie z.B Weihnachten in Deutschland. Es gibt 2 Seiten am Puja. Erstens die religiöse, so dass Menschen beten und dann die kulturelle, so dass an Puja überall Bühnen aufgebaut werden, worauf dann getanzt wird und geschauspielert.

Aber ich beginne am besten am Anfang. Bereits vor Puja ist es hier das einzige Gesprächsthema, die Menschen kaufen Geschenke für ihre Familie und auch wir werden von unserer Gastfamilie beschenkt und schenken.

Außerdem werden so genannte Pendals aufgestellt, eine Art Zelt aus einem Bambusgestell, in dem dann eine riesige Statue von Durga aufgestellt wird und von ihren 4 Kindern, die gerade den Dämon besiegen. Hierbei ist in jedem Pendal zu sehen, dass die Menschen ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Es gibt keine 2 Pendals, die gleich aussehen. Manche sind sehr bunt, andere komplett gold, manche eher schlicht andere unglaublich aufwendig verziert. Bereits am ersten Morgen des Pujas ist die Atmosphäre eine ganz andere. Schon um 6 sind unglaublich viele Menschen auf den Straßen und aus allen Lautsprechern in der Stadt wird Musik gespielt. Natürlich haben wir in der Zeit auch frei und verbringen den Nachmittag damit in Mankundu und dem anliegenden Chandannagar mit dem Fahrrad herumzufahren und uns alle Pendals an denen wir vorbeikommen anzuschauen. Bereits Mittags und Nachmittags sind hier viele Menschen versammelt, die miteinander reden und sich die Pandals anschauen, obwohl der Hauptteil des Festes abends stattfindet. Selbstverständlich sind alle hier sehr schick angezogen, die Frauen tragen Saris, die Männer Panjabis und auch wir ziehen zum ersten Mal unsere neuen Saris an, die wir als Pujageschenk bekommen haben.

Abends gehen wir dann zu einem Pendal in unserer Nähe. Neben dem Pendal ist eine Bühne aufgebaut und am ersten Tag wird dort die Feier eröffnet. Da Human Wave ( unsere NGO) auch Geld gespendet hat, werden wir Freiwilligen am ersten Tag als Vertreter auf die Bühne gebeten und sollen ein paar kurze Worte sagen ( ist nichts neues mehr, so etwas passiert regelmäßig)

Am ersten Tag findet auch noch ein Quiz statt, an dem auch einer unserer Nachbarn namens Dewa teilnimmt.

Da uns gesagt wurde, dass die Menschen am nächsten Morgen zusammen beten würden und wir sehr neugierig sind, gehen wir am nächsten Morgen wieder zum Pendal und erwarten eine Menge stiller, andächtiger Menschen, die vor der Statue knien und beten.

Voller Erwartungen kommen wir zum Pendal und sehen viele Menschen, hören laute Musik und sehen unglaublich viele Menschen vor der Statue stehen, Lotusblumen auf die Statue werfend und laut redend, so dass ich mir vorkomme als wäre ich in irgendeinem riesigen Geschäft, aber nicht, als ob die Menschen dort gerade beten. Zwischendurch singt der weiß gekleidete Priester und lässt Gangeswasser auf die Statue tropfen. Von leise und andächtig nicht viel zu sehen. Wenn die Menschen fertig gebetet haben, gehen sie zu einer großen Schale mit Gangeswasser, schöpfen es mit ihrer Hand, trinken einen Teil und lassen sich den anderen Teil über den Kopf laufen. Auch Früchte werden dort angeboten und gegessen, da Früchte eine Art Segnung sind. Anschließend wird das hier typische Zeichen der Dankbarkeit vollführt, wobei sich die Menschen erst an die Stirn fassen und danach ihr Herz berühren.

Wir sind völlig überrascht und stellen fest, dass der Hinduismus eine Religion ist, die auf Vielfalt basiert und in der unglaublich viele bunte Farben, nicht nur wörtlich sondern auch im übertragenen Sinne, enthalten sind. Es ist keine leise stille Religion sondern hier geht es auch darum, Zeit mit anderen Menschen zu verbringen und eine Gemeinsamkeit zu erreichen. Puja ist ein fröhliches Fest und anders würde es auch nicht zu dem farbigen, vielfältigen Indien passen, dass ich kennengelernt habe.

Die nächsten Abende treffen wir uns alle wieder an der Bühne und dort findet ein unglaublich buntes Spektakel statt. Den ganzen Abend tanzen dort Tanzgruppen und zum Schluss sogar eine professionelle, aus Männern bestehend. Und auf einmal komme ich mir vor wie auf meinem ersten Konzert, als die Band auf die Bühne kam und alle anfingen zu kreischen. Der Lärmpegel hier ist mindestens genauso hoch. Wahnsinn. Eine ganz neue Seite von Indien öffnet sich. Zwischendurch geraten wir noch in ein privates Puja, wo Pantomime gespielt wird. Dort muss die eine Gruppe eine Szene aus einem Film Vorspielen und die anderen müssen es erraten. Ich muss den Exormismus der Emily Rose vorspielen und obwohl ich den Film noch nie gesehen habe, wird es sogar erraten.

Ganz besonders ist auch der letzte Tag des Puja. Dort wird nämlich die Statue der Durga genommen und in einer feierlichen Prozession zum Ganges transportiert und dann in den heiligen Fluss geworfen ( wir diskutieren nicht über den ökologischen Aspekt). Bevor es losgeht wird der Durga aber erst noch Süßigkeiten in den Mund geschoben, damit sie für die Reise genug zu essen hat. Anschließend geht es los mit viel Musik in einer langsamen Prozession. Vorne am Zug wird sogar getanzt. Nachdem wir eine Strecke mitgegangen sind gehen wir aber zurück, da der Weg bis zum Ganges noch sehr weit ist ( man kann sich echt nicht gut bewegen in einem Sari). Während des Pujas gibt es auch teilweise anderes zu essen so z.B sehr viele spezielle Süßigkeiten. Diese genießen wir noch mal am letzten Abend. Den Tag fahren wir auch noch mal nach Kolkatta, um uns die Pendals dort anzugucken. Wahnsinn. Die ganze Stadt ist beleuchtet durch Lichterketten, ich fühle mich wie an Weihnachten bei über 30 Grad Celcius. Auch die Pendals sind der Hammer unglaublich aufwendig, eins sieht aus wie ein Schloss. Aber noch beeindruckender sind die Menschenmassen, mit denen man sich zentimetetweise vorwärtsschiebt um einen kurzen Blick auf das Pendal zu erhaschen. Ein sehr beeindruckender Schluss für das erste Puja und das nächste kommt bestimmt.

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Sa

24

Sep

2011

Über Land und Leute

 

Morgens stehe ich auf dem Balkon und schaue auf Mankundu. Bunte Häuser und Palmen sowie Seen aber auch Schmutz und Dreck sind der Ausblick. Einfach unglaublich schön ( der Müll ausgenommen). Ich komme mir fast vor wie ein einem Traum in Mankundu mit den kleinen Gassen und den Menschen, die immer unglaublich bunte Kleider tragen. Bunt scheint hier das einzige Kriterium zu sein. Und grün, durch die vielen Palmen und die Pflanzen,die an den unzähligen Seen wachsen. Alle Farben sind hier so unglaublich kräftig und intensiv. Selbst die Tiere sind hier bunt. So hat Julia bereits eine orangene armgroße Schlange gesichtet. Geht man morgens aus dem Haus wird man dabei meistens von unserer neugierigen jungen Nachbarstochter beobachtet, die zwar nur ein wenig Englisch kann, aber mit der wir uns immer öfter mal unterhalten. Auch ihre ältere Schwester und ihre Eltern sind unglaublich nett. Dann fahren wir mit dem Fahrrad zur Schule, wobei man an unzähligen Straßenhunden vorbeikommt und drei Seen und natürlich ganz vielen bunten Häusern. Da im Moment noch Monsunzeit ist, regnet es manchmal noch so heftig, dass die Straßen überflutet sind und man durch knöcheltiefes Wasser waten muss. Oft werden wir noch neugierig angeschaut, wenn wir die Straße entlangfahren und manchmal auch gefragt, wo wir herkommen, was wir hier tun und wie lange wir bleiben. An der Schule kennen uns die Menschen schon und starten öfters mal eine Unterhaltung. Unsere Kinder sind sowieso einzigartig. Begeistert schütteln sie uns jeden Morgen zur Begrüßung und zum Abschied die Hand und so ist man manchmal von 10 Kindern umringt, die einem die Hand schütteln wollen. Wenn man an die Hauptstraße kommt, bewegt man sich immer mit einem gewissen Risiko aufgrund des Straßenverkehrs. In der Mitte fahren die Autorikshas, daneben die Fahrradrikshas und Fahrradfahrer und überall sind auch noch jede Menge Fußgänger. Besonders in den Abendstunden ist es unglaublich voll. Da die einzige anerkannte Verkehrsregel das Hupen ist, kann man sich vorstellen, dass es manchmal etwas chaotisch zugeht. So überholt eine Autoriksha eine Fahrradriksha, indem sie das mit Hupen ankündigt. Kommt eine Autoriksha entgegen, so hupt die, um zu signalisieren, dass sie deshalb nicht anhält oder langsamer fährt. Das ist der anderen aber egal, sie überholt trotzdem und drückt dann die Lichthupe, was im Prinzip eine Aufforderung ist zu: Wer als erster bremst, verliert. Ich hab trotzdem komischerweise noch keinen Unfall gesehen. Auf der Hauptstraße gibt es dann sehr viele kleine Shops und einen Supermarkt, der seine Produkte zu durchaus westlichen Preisen anbietet.

Das beste Beispiel für die unglaubliche Freundlichkeit der Menschen habe ich bei den Teachers Days in den Schulen gefunden, wo für die Lehrer von den Schülern etwas vorgeführt wird und wir immer beim Zugucken mit unzähligen Blumen beschenkt wurden. Dort unterhielt sich ein 16jähriges Mädchen mit uns und ihre erste Frage war: Warum seid ihr hier? Als wir ihr unsere Gründe erklärt hatten ( die euch glaube ich allen bekannt sind) meinte sie: I am so proud of xou. Und wiederholte das mehrmals. Davon war ich so unglaublich gerührt. Von einer 16jährigen Schülerin zu hören, dass sie stolz darauf ist, was man tut, iat schon etwas besonderes. Sie lud uns auch gleich zu sich nach Hause ein. Auch mit einer Freundin von ihr unterhielten wir uns noch und als ich gehen wollte, nahm mich dieses Mädchen auf einmal in den Arm, gab mir einen Kuss auf die Wange und sagte: I like you so much. Und schon wieder war ich sprachlos. Überhaupt zeigen Frauen gegenüber anderen Frauen oft durch Berührungen ihre Zuneigung. Rhatna, meine Gastmutter, z. B. Legt einem oft die Hand auf die Schulter, um die Hüfte oder fasst dich an der Hand. Auch Ruma, die Schwester von Tapas, dem Gastvater, ist so ähnlich. Sie umarmt einen sogar sehr häufig und berührt einen mit der Hand am Kinn, was ein Zeichen der Zuneigung von älteren Personen gegenüber Jüngeren ist und was man als jüngere Person nie bei einer älteren Person tun sollte.

So, dies war mal ein erster Einblick zu den Menschen und der Umgebung.

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Sa

24

Sep

2011

Erfahrungen aus einem Peaceworkshop mit Lehrern unserer Schule

 

Große Aufregung bei uns am Sonntagabend, da Tapas uns verkündete, dass am Mittwoch ein Peaceworkshop mit den Lehrern unserer Schulen und dem Staff von Human Wave stattfinden würde und wir auch eine Kleinigkeit dazu vorbereiten sollten. Dachten wir jedenfalls. Schüler sollten auch anwesend sein. Also setzten wir und am Montag zusammen und jeder überlegte sich eine Leitfrage, über die diskutiert werden sollte. Sehr stolz auf uns präsentierten wir Tapas abends unsere ca. Viertel stündige Präsentation, bis er auf einmal erzählte, ach ja und eigentlich solltet ihr ja das ganze Programm ausarbeiten, weil ich bis dahin keine Zeit mehr dazu habe. Schock. Auf einmal sollten wir ein 2 – 3stündiges Programm ausarbeiten, innerhalb von einem Tag. Dementsprechend setzten wir uns dann den ganzen Dienstag zusammen und hatten auch echt viel Spaß dabei uns ein Programm zu überlegen, wobei wir jedoch auch viele Probleme berücksichtigen mussten, wie z.B: Wie viele jüngere Kinder sind dabei und welches Grundwissen existiert über das Thema? Oder Wie stark sind die Menschen hier Gruppenarbeit gewohnt? Und natürlich: Wie viele Übersetzer sind da so, da viele Menschen nicht so gut Englisch sprechen können. Außerdem herrschten auch unter uns Freiwilligen einige unterschiedliche Auffassungen darüber, welcher Vortragsstil der Beste sei und ob man eher Vorträge halten sollte oder eher alles durch Gruppenarbeit erarbeiten lassen sollte. So verbrachten wir einen Nachmittag im Prinzip damit über verschiedene Vortragsweisen zu diskutieren und auch mal eine oder zwei Stunden lang über den Krieg in Libyen, Demokratieansichten, die USA und das Paradoxon der Zeit zu diskutieren ( auch wenn nicht zwangsläufig alles mit dem Thema Frieden zu tun hat). Um die Atmosphäre dann nach einer besonders langen und kontroversen Diskussion zu lockern, erfand Milan dann mal schnell ein neues Spiel, in dem das bereits bekannte Spiel Schere, Stein, Papier sagen wir mal, erweitert wurde und somit kann man nicht behaupten, dass wir keinen Spaß bei der Vorbereitung hatten, obwohl es auch sehr anstrengend war. Trotzdem war es auch sehr interessant, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen auch unter dem Gesichtspunkt, dass wir mit Menschen darüber diskutieren würden, die einer anderen Kultur angehören.

So standen wir dann am Mittwoch vor einer Gruppe von 15 – 20 Lehrern ( kein einziger Schüler) und stellten fest, dass die Lehrer relativ diskussionsfreudig waren und alle sehr interessiert und dass die Meinung,was den Krieg und den Frieden angeht, größtenteils mit den Meinungen von uns Freiwilligen übereinstimmt. Auch die Atmosphäre war sehr locker. Was mich besonders amüsierte, war der Präsident, der extra zu dieser Veranstaltung eingeladen worden war und vorne bei uns sitzen durften. Vor eben diesem hatte Tapas uns vorher schon gewarnt, indem er sagte: „ He's a bit mad“. But maybe he can turn on the lights or light a candle in the end.“ und lachte. Tatsächlich hatte der Präsident keine Hemmungen, andere leute mitten im Satz zu unterbrechen und von einem komplett anderen Thema zu beginnen, was damit endete, dass etwa die Hälfte der Menschen im Raum gleichzeitig abwehrend die Hände hob und ihm riet, still zu sein. Tatsächlich durfte der Präsident zum Schluss eine Kerze anzünden, was feierlich mit einer Kamera festgehalten wurde. Wie hier üblich gab es am Schluss der Veranstaltung Gebäck und Tee für alle und da uns viele der Lehrer später noch sagten, dass ihnen under Programm echt gut gefallen habe, erinnere ich mich gern an den Tag und denke, es hat sich auf jeden Fall gelohnt, viel Zeit zu investieren.

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Fr

16

Sep

2011

Über eine komplizierte Registrierung und das Busfahren

Wow! Gestern war das erste Mal, dass ich einen richtig stressigen Tag hatte, der im Nachhinein aber auch irgendwie witzig war. Es fing zuerst eigentlich ganz normal an, wir sind zur Schule ins Projekt gegangen. Nachmittags hatten wir eigentlich vor nach Shirampur zu fahren und dort noch mal shoppen zu gehen. Das konnten wir den Tag aber leider vergessen. Denn auf einmal klopft Tapas an unsere Tür und sagt, dass wir bis morgen unsere Polizeiliche Registrierung in ( hab den Namen des Ortes vergessen) machen müssen. Die würden aber um 5 zumachen. Also nicht shoppen, dafür aber Dokumente beantragen, was aus Kiras Erzählung aber kompliziert und deprimierend werden würde. Wir dann in voller Hetze unsere Dokumente gesucht, noch ein paar geschrieben und dann der Schock: Wo sind unsere Municipal Documents aus Mankundu. Tapas behauptete steif und fest, sie uns bereits gegeben zu haben, woran sich aber keiner von uns erinnern konnte. Also suchten wir das ganze Haus ab, fanden aber nichts. Tapas sah dann noch mal in seinem Schreibtisch nach und - huch- da waren die Dokumente. Dann gings los zuerst mit einer Autoriksha und dann mit dem Bus. Ach ja, das Busfahren. Es war ja schon in Kalkutta ein echtes Erlebnis, aber im Gegensatz zu den Bussen auf dem Land sind die Busse in der Stadt echt leer. In dem Bus war es so voll, dass man keinen Schritt mehr gehen konnte, man musste sich nicht mal festhalten, weil man gar nicht umfallen konnte. Ich hatte das Glück zu sitzen, so dass zwar halb auf mir noch ne Frau saß und ich halb auf dem Schoß meines Sitznachbarn ( naja etwas übertrieben geschildert), aber ich immerhin am Fenster saß und frische Luft bekommen habe. Durch die vielen Menschen geriet der Bus in eine leichte Schräglage und wie ich so bin, hab ich mir die ganze Zeit ausgemalt, wie der Bus umkippt und ich unter ner Horde von Menschen begraben werde. Naja ganz so extrem war meine Gefühlslage nicht. Es war auch ziemlich witzig, obwohl so richtig genossen hab ich es auch nicht. Aber es war lustig und man muss es mit Humor nehmen, wie z.B ein Mann 2 Plätze hinter mir auf einmal an einer Haltestelle aus dem Fenster gekotzt hat. Nach einer 45minütigen Busfahrt ( der Bus wurde netterweise auch immer leerer) waren wir dann da. Ach ja Gotum ( keine Ahnung wie er geschrieben wird), ein Mitarbeiter von Human Wave war als persönlicher Übersetzer und Hilfestellung mitgekommen.

Da wir in der Stadt die Polizeistation auch noch suchen mussten, waren wir dann 20 vor 5 da. Dort saß dann ein sehr großer und dickerer Inder. Wir gaben ihm die Dokumente und dass erste, was er fragt: Why are you so late? ( Wir haben 14 Tage Zeit für die Registrierung und waren am 13. da. Also eigentlich alles im Rahmen). Ja und was will man darauf antworten. Also hab ich mit den Schultern gezuckt. Und dann gings los. Zuerst haben uns noch Reisepasskopien gefehlt. Also sind wir kopieren gegangen und haben sicherheitshalber die Visa gleich mitkopiert. War auch gut so, den als wir zurückkamen sagt er, ah yes and Visa copies also( Arschloch). Dann (und jetzt kommts) mussten wir ernsthaft eine Entschuldigungsbrief schreiben, in dem wir erklären mussten, warum wir erst nach 13 Tagen gekommen sind. Wir haben einen Brief geschrieben, ihn alle unterschrieben, kommen zurück da sagt er, No everyone needs individual letter (Megaarschloch). Jeder den Brief also noch mal abgeschrieben und selbst unterschrieben, gehen zurück, er schauts sich an und sagt, dass die Polizeiadresse noch fehle( hätte er das nicht schon vorher sagen können?). Wir, schon völlig verzweifelt und demoralisiert, noch mit Gotum die Polizeiadresse aufgeschrieben, wieder rein, in der Erwartung, dass bestimmt wieder etwas falsch wäre, aber dann hat endlich alles gepasst und wir konnten die Dokumente abgeben. So waren wir nach 2 Stunden Bangen und Fluchen endlich am Ziel. Das Beste aber war Tapas Spruch, als wir zurückkamen. Wir beschreiben ihm so den Mann und er lacht und sagt fröhlich, Ah yes I know him, he`s a nasty guy.

Aber die Rückfahrt hat mich für alles entschädigt. <es war leerer undneben mir saß ne indische Frau,d ie voll süß war. Zuerst hat sie mir zugelächelt und dann hat sie mich so gefragt, wo ich hinmuss und mit dem bisschen Bengali, dass ich kann haben wir uns so ein bisschen unterhalten und als sie ausgestiegen ist, hat sie noch gewunken. Da ist mir noch mal klar geworden, wie schön ich es in Indien finde und wie heimisch ich mich hier schon fühle.

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Di

13

Sep

2011

Das Projekt

Nun sind wir schon eine Woche hier in Mankundu, obwohl es sich schon sehr viel länger anfühlt. Mittlerweile gibt es schon so etwas wie Routine. In der Woche, das heißt von Montags bis Samstags , da die Kinder hier 6 Tage Schule haben, stehen wir alle immer um 5 Uhr 30 bzw. 6 Uhr auf, da die Schule um 7 Uhr anfängt. Frühstücken tun wir hier meistens noch nicht, das tun wir erst wenn wir dann um 9 nach Hause kommen. Aber vielleicht erst einmal etwas über das Projekt. Es gibt 2 Schulen hier, eine in Mankundu im Slum Adarshanagore und eine im Nachbarort im Slum Lalkuthi. Die Schulen sind eigentlich keine richtigen Schulen sondern so genannte Tutorials. Diese starten vor der eigentlichen Schule und sind so gesehen Nachhilfeunterricht für die Kinder. Deshalb beginnen sie auch schon um 7 und enden um 9, da dann die eigentliche Schule beginnt. Morgens sind in den Tutorials Kinder im Alter von 3 bis 9 und sind dementsprechend in zwei Vorschulklassen sowie eine erste, zweite und dritte Klasse aufgeteilt, wobei in den Klassen eins bis drei immer so ca. 5 im Höchstfall 8 bis 10 Kinder anwesend sind. Bei den beiden Tutorials kann sich das durchaus unterscheiden, weil ich aber nach Adarshanagore gehe, kann ich besser über dieses Tutorial berichten. Da das Projekt in Adarshanagore schon länger besteht, ist es auch schon weiter entwickelt, so dass Kinder und Lehrer meistens pünktlich erscheinen(die Freiwilligen meistens auch) und auch die meisten Schüler anwesend sind, wogegen Julia und Markus in Lalkuthi morgens mit einer Glocke durch den Slum laufen müssen, um die Kinder einzusammeln und man sich anschließend noch gemeinsam die Hände wäscht. Dass die Kinder manchmal ( oder bei einigen auch häufig) nicht anwesend sind liegt jedoch meistens nicht an den Kindern selber, sondern an den Eltern, die einfach keinen direkten Nutzen darin sehen, wenn ihre Kinder zur Schule gehen. Bevor der Unterricht beginnt, wird in Adarshanagore erst einmal ein Gebet gesungen, was sich echt gut anhört und womit der Unterricht dann offiziell beginnt. Da die Schule nur aus einem Haus besteht, sind alle Kinder in diesem Haus und werden dann in ihre Klassen aufgeteilt, sodass die Vorschulklasse hinten im Raum und Klasse 1, 2 und 3 vorne im Raum nebeneinander ist. Dadurch kann es teilweise sehr laut werden. Da wir insgesamt 4 Freiwillige sind, gehen 2 von uns (Markus und Julia) nach Lalkuthi und Milan und ich gehen nach Adarshanagore. Dort unterrichten wir dann immer 1 Stunde eine Klasse zusammen und wechseln nach einer Stunde in die nächste. Das ist auch sehr gut so, da das Unterrichten sehr anstrengend ist, insbesondere dadurch, dass die Kinder zwischendurch keine Pause haben. Von daher ist es echt angenehm nach einer Stunde mit der nächsten Klasse ein neues Thema zu beginnen. Wenn Milan und ich eine Klasse zusammen unterrichten, dann teilen wir die Kinder meistens zwischen uns auf, so dass jeder nur 2 bis 4 Kinder hat, mit denen man arbeitet. Da die Lehrer uns am Anfang der Stunde meistens sagen, welche Übung wir aus dem Schulbuch mit den Kindern machen sollen, machen wir sowieso das Gleiche. Die Lehrer sind auch die ganze Zeit bei uns und helfen uns, etwas in Bengali zu übersetzen, wenn die Kinder uns nicht verstehen. Die Kinder sind echt super und ich habe die meisten schon jetzt sehr lieb gewonnen. Immer wenn der Unterricht vorbei ist, schütteln sie uns begeistert die Hand und einige lernen auch unglaublich schnell. Leider ist es aber auch sehr schwierig für die Kinder sich 2 Stunden lang zu konzentrieren und daher ist es manchmal echt enorm anstrengend die Kinder zu motivieren. Besonders wenn es darum geht nur Sätze zu lernen und zu buchstabieren, was ich auch nach einer Zeit langweilig finde. Außerdem können die meisten Kinder das Alphabet noch nicht komplett und verwechseln viele Buchstaben z.B. n und h, b und d und viele mehr. Trotzdem geben sie sich viel Mühe und im Gesamten macht es echt viel Spaß mit den Kindern zu arbeiten, da es auch sehr viele lustige Übungen wie z.B Lieder gibt. Das war erstmal ein Überblick über das Projekt, damit ihr überhaupt wisst, mit was ich so morgens beschäftigt bin. Als nächstes kann ich dann mal was über unseren Alltag erzählen, das geile Essen und unsere 2 Fahrten nach Kalkutta( ich hab mir schon neue Klamotten gekauft).

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Di

13

Sep

2011

Ausflug nach Kolkatta- Erste Eindrücke einer indischen Großstadt

 

Nun haben wir auch schon unseren ersten Besuch in Kolkatta hinter uns. Was wir dort tun sollten? Nun zum einen shoppen :p und ach ja nebenbei auch noch 2000 handgemachte Postkarten zur post bringen. Also fuhren wir morgens (bzw. mittags um 12) mit dem Zug, der auch relativ leer war, nach Kolkatta. Es kann auch relativ witzig werden, wenn der Zug kommt, da alle Menschen an einem Gleis stehen. Auf einmal wird offenbar durchgesagt, dass der Zug am gegenüberliegenden Bahnsteig einfährt, so dass noch einmal alle Menschen das Gleis wechseln. Wozu man einfach über die Schienen rennt. Am Bahnhof trafen wir Mimi, die zufällig auch nach Kolkatta musste. In Kolkatta stiegen wir aus dem Zug und sahen...unglaublich viele Menschen, mehr als ich jemals auf einem Haufen gesehen habe, obwohl Mimi uns versicherte, dass es noch relativ leer sei, abends sei mehr los ( sie hatte Recht). Nachdem wir uns mit zigtausend anderen Menschen aus dem Bahnhof gedrängt hatten, fuhren wir mit einem Boot über den Ganges und konnten dabei Kolkattas unglaubliche Architektur bestaunen. Es gibt unglaublich viele alte und wunderschön verzierte Häuser, aber direkt daneben auch einfache Häuser aus Stein und Bambus. Und vor allem sind dort Menschen! Und Autos! Wie die Unmengen von Autos sich noch an der Menschenmasse vorbeidrängen können, ist mir immer noch ein Rätsel. Kaum kommt man in Kolkatta an, protestiert die Lunge gegen den unglaublichen Benzingeruch und die dazu noch sehr heiße Luft. Gleichzeitig ist die Luft erfüllt vom Hupen der Taxi- und Busfahrer, sowie vom Rufen und Erzählen der Menschen. Ist man dann in der „Fußgängerzone“, so kommt man vor Menschenmassen kaum noch vorwärts und schiebt sich zusammen mit ihnen in Richtung Shops und Markt, wobei einem gleichzeitig der Schweiß den Rücken runterläuft. In Kolkatta gibt es praktisch nichts,was es nicht gibt( außer vielleicht Salat). Wir haben sogar deutsche Marken, wie Maggi und Knorr gefunden.

Auf einmal befanden wir uns dann in einem riesigen Shop, der gleichzeitig ein Essensladen, Haushaltsgeschäft und Klamottenladen war. Leider sind Preise für Nahrungsmittel und Kleidung nicht so billig wie gedacht, dafür Zug und Rikshafahrten umso mehr. So kostet ein Haarshampoo mehr als in Deutschland, den Luxusartikel Ferrero Rocher gibt es für gerade mal umgerechnet 6 Euro das kaufen wir nicht!) und der verwöhnte Europäer braucht leider auch noch Klopapier(4 Rollen umgerechnet 2 Euro, was hier unglaublich viel ist, zum Vergleich: Ich kann für 3 Euro 30 Minuten nach Deutschland telefonieren).

Nun befanden wir uns also in dem überfüllten Shop und quetschten uns mit Mimi durch zu der Kleidung. Wahnsinn! Dagegen ist die Kleidung in Deutschland trist und eintönig. Es gibt alle möglichen Farben in einem Kleidungsstück. Ich habe mich gleich total wohl gefühlt und mir sogar schon ein Oberteil gekauft. Saris trägt man eher zu formellen Anlässen, im normalen Alltag werden eher knielange Oberteile und dazu (knallbunte) Leggings getragen. Nachdem wir uns in unzähligen Shops aufgehalten hatten und viele schöne Sachen entdeckten, wollten wir mit dem Bus zurück zum Bahnhof fahren. Ohne Witz, da hätte wirklich kein Mensch mehr reingepasst. Alle, die saßen, konnten sich glücklich schätzen, denn der Rest stand dicht an dicht gedrängt, bis zur Eingangstreppe. Und selbst dort standen noch Menschen. Trotzdem war dort eine sehr coole Athmosphäre, mit einem Bus, der immer nur 10 Meter vorwärtskommt und dann erst mal wieder für 10 Minuten still steht, währenddessen aber unermüdlich hupt. Feierabendverkehr in Indien. Jedenfalls waren wir fix und fertig, als wir wieder in Mankundu waren, was uns wie der ruhige und friedliche Himmel auf Erden vorkam nach dem lauten und vollen Kolkatta, aber hatten das Gefühl, dass wir ordentlich was erlebt hatten und somit hat Kolkatta doch ein positiven Eindruck hinterlassen, auch wenn ich mich dort nicht länger als 2 Tage aufhalten möchte.

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So meine lieben Freunde und Bewunderer :D

jetzt habe ich es endlich beim vierten Versuch geschafft, mir einen Blog einzurichten. Nun bin ich ja jetzt schon fast ne Woche hier und versuche mal eine kurze Zusammenfassung der letzten Tage zu machen ;)

Freitagabend: Man steigt aus dem Flugzeug und rennt in eine Wand, eine Wand aus heißer Luft und Wasser oder andersherum. Gefülte 42 Grad und Schweiß begleiten einen zum Flughafenausgang sowie eine Menge neugierig schauender Inder und draußen steht die Gastfamilie und winkt begeistert. Wir werden sehr herzlich willkommen geheißen und ich fühle mich sofort wohl. Auf dem Weg nach Kalkutta lerne ich sofort den englischartigen Straßenverkehr kennen, in dem Hupe und Lichthupe sowie waghalsige Überholmanöver mit einem langsameren Auto die wichtigsten Bestandteile sind( Nein ganz so schlimm ist es nicht).Gerrit hätte hier seinen Spaß.

Unsere Gasteltern, Tapas und Radna, sowie die Gastgeschwister( die 23-jährige Mimi und der 10jährige Tunka) sind alle sehr nett und können Englisch.

Am nächsten Tag dürfen wir zum ersten Mal das indische Essen genießen und sind sofort davon überzeugt, dass wir von allen Volontären im besten Land gelandet sind. Das Essen ist unbeschreiblich gut (auch gar nicht soo scharf Franzi:p).

Mimi und Tunka zeigen uns alles und man kann sich sehr gut mit ihnen unterhalten. Auch mit Tapas kann man gut reden, er erklärt uns viel und beantwortet alle Fragen. Und dank Radna lernen wir immer mehr bengalische Wörter, da sie viel in Bengali redet. Eine liebere Gastmutter kann man sich nicht vorstellen.

Am Montag müssen wir zum ersten Mal früh aufstehen. Prompt verschlafen Jule und ich und müssen ungewaschen und mit ungeputzten Zähnen ins Projekt gehen, da wir hier das erste Mal die Projekte in Lakuthi und Adarshanagore besuchen wollen. In Indien trinkt man früh morgens nur Tee ( im Prinzip Chaitee, schmeckt nur tausendmal besser und ist gleichzeitig würziger und süßer außerdem mit sehr viel Milch). Na Lena, willst du nicht doch herkommen :D Wäre auch etwas für Mama. Essen tut man erst später, so ca. um 9.

Auf Grund der Zeitverschiebung sind wir noch hundemüde und gehen dann zum Zug, da die Fahrräder noch kaputt sind und man anders nicht nach Lakuthi kommt. Und das Klischee der überfüllten Züge ist wahr! Seitlich aus dem Zug heraushängende Menschen sind hier nicht ungewöhnlich. Da bin ich richtig froh, dass es extra Frauenabteile gibt. Aber auch die sind voll. Kurz bevor der Der Zug wieder anfährt, kommt Tapas angerannt, schubst uns in Den Zug und schreit Jule und mir zu: Next station. Other Side of Train. Blöderweise ist er dadurch selber nicht mehr in den Zug gekommen und musste den nächsten Zug nehmen, wie ich später von den Jungs erfahren habe. Also standen nur die Jungs danach am richtigen Bahnsteig, da Jule und ich auf den Ausstieg warteten, der auf der anderen Seite des Zuges war. Den gab es aber leider nicht. Tapas erklärte uns später, der Zug hätte zwischendurch die Schienen gewechselt und so war der Ausstieg auf der selben Seite wie der Einstieg. Dies war Jule und mir nach 6. Stationen und 20 Minuten Zugfahrt auch klar. Auf halbem Weg nach Kalkutta stiegen wir aus, fragten uns durch und kamen so mit dem nächsten Zug wieder zurück nach Mankundu, wo wir Radna informierten und die Tapas anrief und ihm erzählte, dass wir sicher wieder hier waren. Tapas war glücklicherweise mit der indischen Gelassenheit ins Projekt gegangen. Somit verpassten wir leider den Besuch in Lakuthi, aber hatten ein Zugabenteuer :)

Auch Nachmittags hatten wir ein unglaubliches Erlebnis. Wir lagen gemütlich im klimatisierten Zimmer von Jule und mir, sahen aus dem Fenster und auf einmal sahen wir jede Menge Affen auf den Dächern und Dachterassen sitzen. Wir, ganz tourimäßig, rannten erst einmal heraus und machten Fotos. Ein Mann schaffte es, die Affen mit Süßigkeiten anzulocken und so dachten wir, es auch mal zu versuchen. Sicher aus dem Zimmerfenster heraus warfen wir ihnen für uns bestimmten Kuchen zu, an den wir uns aber aufgrund unseres Magens nicht herantrauten. So schafften wir es erfolgreich, dass auf einmal 10 Affen direkt vor unserem Fenster hatten, die die Arme durch die Gitterstäbe steckten und gegen das Fenster sprangen. Dies beobachteten wir aus sicherer Entfernung, da wir vor Schreck erst mal 10 Meter zurück sprangen.

Abends waren wir dann in der Schule in Adarshanagore, was man durch einen 10minütigen Fußmarsch erreicht. Es war Teachers Day und so führten die Kinder Sachen für die Lehrer vor, so tanzten sie und sagten Gedichte auf. Dabei wurden wir reich mit Blumen und Bildern beschenkt und herzlich willkommen geheißen.

Ich werde auf jeden Fall in die Dance Class gehen, da das Tanzen hier einfach unglaublich ist und ich auch gerne so klasse tanzen möchten. Ich war richtig neidisch.

Gestern( Dienstag, der 06.09) gingen wir wieder morgens nach Adarshanagore und sahen zu, wie die Kinder unterrichtet werden. Später fuhren wir zum ersten Mal mit einer Autoriksha, was echt ein Erlebnis auf kleinen Straßen mit ner Menge Radfahrer und Fußgänger sowie anderen Autos ist. Außerdem gibt es hier Linksverkehr.

Mittags hatte ich dann ein einprägendes Erlebnis mit dem Essen. In der Soße, die Dal genannt wird, sind sehr scharfe grüne Chilischoten drin, die man dann an die Seite vom Teller legt. Ich jedoch war gemütlich am Essen, dachte oh cool, eine Bohne, und steckte sie mir in den Mund. Oh mein Gott! Böser Fehler. Ich spürte auf einmal ein unglaubliches Brennen in meinem Mund, spuckte den Rest der Schote aus, meine Augen fingen an zu tränen und ich hatte das Gefühl, als würde meine Kehle in Flammen stehen( ich weiß wie sich Vampire fühlen :D), woraufhin mir meine besorgte Gast mutter einen Löffel mit Honig in den Mund schob und mir Eiswürfel gab. Nach schmerzvollen 10 Minuten ließ der unglaubliche Schmerz dann langsam nach und zurück blieb nur ein leichtes Brennen an meinem Gaumen. Markus wollte witzigerweise auch wissen wie diese Schote so schmeckt und aß ebenfalls eine, woraufhin sogar er weinen musste, obwohl er beim Essen deutlich härter im nehmen ist als ich und bestätigte somit die Schärfe dieser Schote( ich glaube ich bringe Papa eine mit). Heute traute sich auch Jule und steckte sich eine riesige Schote in den Mund. Es war beeindruckend, dass sie nicht anfing zu weinen, aber da sie von uns allen am Schärfsten isst, war dies vielleicht noch verständlich. Trotzdem. Respekt! Doch hat sie vorhin festgestellt, dass sie seitdem ein kleines Bläschen in ihrem Mund hat...ob Milan wohl auch noch eine probiert?

So dar erstmal die Zusammenfassung, obwohl ich noch viel mehr schreiben könnte. Später schreibe ich dann noch mal ausführlicher über Indien und das Projekt.