Durga Puja

Pendal in Kolkatta
Pendal in Kolkatta

Was ist Puja? Übersetzt bedeutet Puja so viel wie Ehrerbietung und das ist es vom religiösen Ansatz auch, auch wenn heutzutage es eher wie ein großes kulturelles Fest gefeiert wird, etwa so wie bei uns Weihnachten. Und doch ist es etwas völlig anderes, neues, faszinierendes. Es gibt in Indien nicht nur ein Puja sondern sehr viele verschiedene, da es in einem Puja auch nur um einen Gott geht. Dieses Puja hieß Durga Puja und ist besonders in Kolkatta bekannt, da Durga eine Schutzgöttin ist. In 2 Wochen ist ein anderes Puja, welches besonders in Chandannagar bekannt ist.

Da der Hinduismus viele verschiedene Götter kennt, gibt es auch einige verschiedene Pujas.

Die Grundstruktur des Hinduismus besteht in den drei Hauptgöttern Brahma, der Schöpfer, Vishnu, der Bewahrer und Shiwa, der Zerstörer. Dies ist sozusagen die höchste Ebene des Kreislaufs Leben nämlich geboren werden, leben und sterben. Alle anderen Götter sind spezieller und stehen sozusagen für einzelne Aspekte im Leben wie z.B Krishna die Göttin der Liebe.

Durga ist die Göttin des Schutzes. Als die Erde von einem grausamen Dämon überfallen wurde, versuchten die anderen Götter ihn zu stoppen, schafften es aber nicht. Daraufhin erschufen sie Durga und jeder gab ihr eine Waffe. Deshalb hat Durga auch 10 Hände, die 10 verschiedene Waffen halten. Zusammen mit ihrem Haustier, einem Löwen besiegte sie den Dämon. Durga hat 2 Söhne und 2 Töchter, die Göttin der Bildung, die Göttin der Wirtschaft, den Gott der Soldaten und Ganesh, der Gott des Glückes und den Geschäftsleute hier an den Wänden hängen haben. Das Besondere an Ganesh ist, dass er einen Elefantenkopf hat.

Puja ist hier in Indien ein ziemlich großes Ereignis wie z.B Weihnachten in Deutschland. Es gibt 2 Seiten am Puja. Erstens die religiöse, so dass Menschen beten und dann die kulturelle, so dass an Puja überall Bühnen aufgebaut werden, worauf dann getanzt wird und geschauspielert.

Aber ich beginne am besten am Anfang. Bereits vor Puja ist es hier das einzige Gesprächsthema, die Menschen kaufen Geschenke für ihre Familie und auch wir werden von unserer Gastfamilie beschenkt und schenken.

Außerdem werden so genannte Pendals aufgestellt, eine Art Zelt aus einem Bambusgestell, in dem dann eine riesige Statue von Durga aufgestellt wird und von ihren 4 Kindern, die gerade den Dämon besiegen. Hierbei ist in jedem Pendal zu sehen, dass die Menschen ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Es gibt keine 2 Pendals, die gleich aussehen. Manche sind sehr bunt, andere komplett gold, manche eher schlicht andere unglaublich aufwendig verziert. Bereits am ersten Morgen des Pujas ist die Atmosphäre eine ganz andere. Schon um 6 sind unglaublich viele Menschen auf den Straßen und aus allen Lautsprechern in der Stadt wird Musik gespielt. Natürlich haben wir in der Zeit auch frei und verbringen den Nachmittag damit in Mankundu und dem anliegenden Chandannagar mit dem Fahrrad herumzufahren und uns alle Pendals an denen wir vorbeikommen anzuschauen. Bereits Mittags und Nachmittags sind hier viele Menschen versammelt, die miteinander reden und sich die Pandals anschauen, obwohl der Hauptteil des Festes abends stattfindet. Selbstverständlich sind alle hier sehr schick angezogen, die Frauen tragen Saris, die Männer Panjabis und auch wir ziehen zum ersten Mal unsere neuen Saris an, die wir als Pujageschenk bekommen haben.

Abends gehen wir dann zu einem Pendal in unserer Nähe. Neben dem Pendal ist eine Bühne aufgebaut und am ersten Tag wird dort die Feier eröffnet. Da Human Wave ( unsere NGO) auch Geld gespendet hat, werden wir Freiwilligen am ersten Tag als Vertreter auf die Bühne gebeten und sollen ein paar kurze Worte sagen ( ist nichts neues mehr, so etwas passiert regelmäßig)

Am ersten Tag findet auch noch ein Quiz statt, an dem auch einer unserer Nachbarn namens Dewa teilnimmt.

Da uns gesagt wurde, dass die Menschen am nächsten Morgen zusammen beten würden und wir sehr neugierig sind, gehen wir am nächsten Morgen wieder zum Pendal und erwarten eine Menge stiller, andächtiger Menschen, die vor der Statue knien und beten.

Voller Erwartungen kommen wir zum Pendal und sehen viele Menschen, hören laute Musik und sehen unglaublich viele Menschen vor der Statue stehen, Lotusblumen auf die Statue werfend und laut redend, so dass ich mir vorkomme als wäre ich in irgendeinem riesigen Geschäft, aber nicht, als ob die Menschen dort gerade beten. Zwischendurch singt der weiß gekleidete Priester und lässt Gangeswasser auf die Statue tropfen. Von leise und andächtig nicht viel zu sehen. Wenn die Menschen fertig gebetet haben, gehen sie zu einer großen Schale mit Gangeswasser, schöpfen es mit ihrer Hand, trinken einen Teil und lassen sich den anderen Teil über den Kopf laufen. Auch Früchte werden dort angeboten und gegessen, da Früchte eine Art Segnung sind. Anschließend wird das hier typische Zeichen der Dankbarkeit vollführt, wobei sich die Menschen erst an die Stirn fassen und danach ihr Herz berühren.

Wir sind völlig überrascht und stellen fest, dass der Hinduismus eine Religion ist, die auf Vielfalt basiert und in der unglaublich viele bunte Farben, nicht nur wörtlich sondern auch im übertragenen Sinne, enthalten sind. Es ist keine leise stille Religion sondern hier geht es auch darum, Zeit mit anderen Menschen zu verbringen und eine Gemeinsamkeit zu erreichen. Puja ist ein fröhliches Fest und anders würde es auch nicht zu dem farbigen, vielfältigen Indien passen, dass ich kennengelernt habe.

Die nächsten Abende treffen wir uns alle wieder an der Bühne und dort findet ein unglaublich buntes Spektakel statt. Den ganzen Abend tanzen dort Tanzgruppen und zum Schluss sogar eine professionelle, aus Männern bestehend. Und auf einmal komme ich mir vor wie auf meinem ersten Konzert, als die Band auf die Bühne kam und alle anfingen zu kreischen. Der Lärmpegel hier ist mindestens genauso hoch. Wahnsinn. Eine ganz neue Seite von Indien öffnet sich. Zwischendurch geraten wir noch in ein privates Puja, wo Pantomime gespielt wird. Dort muss die eine Gruppe eine Szene aus einem Film Vorspielen und die anderen müssen es erraten. Ich muss den Exormismus der Emily Rose vorspielen und obwohl ich den Film noch nie gesehen habe, wird es sogar erraten.

Ganz besonders ist auch der letzte Tag des Puja. Dort wird nämlich die Statue der Durga genommen und in einer feierlichen Prozession zum Ganges transportiert und dann in den heiligen Fluss geworfen ( wir diskutieren nicht über den ökologischen Aspekt). Bevor es losgeht wird der Durga aber erst noch Süßigkeiten in den Mund geschoben, damit sie für die Reise genug zu essen hat. Anschließend geht es los mit viel Musik in einer langsamen Prozession. Vorne am Zug wird sogar getanzt. Nachdem wir eine Strecke mitgegangen sind gehen wir aber zurück, da der Weg bis zum Ganges noch sehr weit ist ( man kann sich echt nicht gut bewegen in einem Sari). Während des Pujas gibt es auch teilweise anderes zu essen so z.B sehr viele spezielle Süßigkeiten. Diese genießen wir noch mal am letzten Abend. Den Tag fahren wir auch noch mal nach Kolkatta, um uns die Pendals dort anzugucken. Wahnsinn. Die ganze Stadt ist beleuchtet durch Lichterketten, ich fühle mich wie an Weihnachten bei über 30 Grad Celcius. Auch die Pendals sind der Hammer unglaublich aufwendig, eins sieht aus wie ein Schloss. Aber noch beeindruckender sind die Menschenmassen, mit denen man sich zentimetetweise vorwärtsschiebt um einen kurzen Blick auf das Pendal zu erhaschen. Ein sehr beeindruckender Schluss für das erste Puja und das nächste kommt bestimmt.

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Kommentare: 1
  • #1

    Masticating Juicer (Montag, 15 April 2013 11:55)

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