Eine indische Hochzeit

Gestern war ich auf meiner ersten indischen Hochzeit. Es war die von einem Mitarbeiter meiner Organisation, namens Raja. Morgens waren wir Freiwilligen erst einmal Geschenke für Raja und seine Frau suchen. Frauen schenkt man üblicherweise Saris und Raja hat ein schickes T-shirt von uns bekommen. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, wie viel Spaß wir beim Aussuchen der Geschenke hatten. Da eine Hochzeit auch etwas sehr Besonderes ist, muss man sich hier ganz besonders anziehen und so waren Jule und ich noch eine Weile damit beschäftigt passende Schminke wie Lidschatten, Kajal, Eyeliner, Lippenstift, Nagellack und Armreifen passend zu unseren Saris, die wir am Abend tragen würden. Abends half uns dann unsere Gastmutter in unsere Saris. Ich glaube, dass Prinzip, wie man einen Sari anzieht, habe ich mittlerweile verstanden, auch wenn ich weit davon entfernt bin, es alleine hinzubekommen. Nachdem alles, was verrutschen könnte, schön ordentlich festgepinnt worden war, widmeten Jule und ich uns dem Makeup. Und mit Makeup meine ich wirklich alles von Makeup und Puder bis hin zu Lippenstift, Ohrringen, Armreifen und Nagellack. Da ich für die Armreifen hier etwas zu große Hände habe, habe ich vom Verkäufer einen Trick gelernt, nämlich einfach eine Plastiktüte über die Hand zu streifen und da den Armreifen rüberziehen. Warum das ein Fehler war, werdet ihr später noch erfahren. Nachdem wir so also ca. eine Stunde für Makeup gebraucht hatten, liefen wir mit der ganzen Gastfamilie los zur Hochzeit. Sie war allerdings nicht sehr schwer zu finden, da man die Musik schon von Weitem hörte. Und als nächstes sah man das Licht. Überall waren Scheinwerfer aufgestellt. Schon sehr beeindruckt, betrat ich ein großes, grün-rot-gelb-grünes Zelt. Innen waren viele Stühle aufgestellt und am Eingang gab es Kaffee ( Nescafe) mit Milch und Pakora, frittiertes Gemüse. In einem kleinen Nebenraum standen Raja und seine Frau Tumpa. Sie war wunderschön angezogen und geschminkt, mit Verzierungen über ihrem ganzen Gesicht. Ihnen übergaben wir unsere Geschenke. Daraufhin wurden erst einmal hunderte von Fotos und Videos gemacht. Selbstverständlich folgte uns die Kamera danach, wo immer wir auch hingingen, selbst zum Essen. Danach begrüßten wir alle anderen, die wir noch so kannten. Da auf eine Hochzeit so ca. 500 Menschen kommen, kannten wir doch einige. Die Atmosphäre war sehr schön, nicht formal sondern sehr entspannt und aufgeregt. Die Frauen redeten alle durcheinander und wir bewunderten gegenseitig unsere Saris und die Schminke. Nun beschlossen wir mit der Gastfamilie essen zu gehen. Dazu musste man in ein anderes Zelt gehen, dass auch sehr schön mit Blumen geschmückt war und wo Kronleuchter an der Decke hingen. Und das Essen..der Wahnsinn. Ich habe das Gefühl bei den Hochzeiten hier geht es hauptsächlich ums Essen. Außer für die Braut und den Bräutigam, denn die dürfen erst etwas essen, nachdem sämtliche Gäste fertig gegessen haben. Und da nicht alle gleichzeitig essen, kann das dauern. Wie bei Hochzeiten üblich, gab es ca. 10 Gänge.Es fing an mit einem Pakora und Salat, dazu Meerrettichsoße. Danach kamen zwei bestimmte Naan, also eine spezielle Art Brot , mit Dal,einem Linsenbrei, in dem auch Käse und Erbsen enthalten waren. Anschließend gab es Reis eigentlich mit einem Kari aus Ziegenfleisch ( was hier besonders teuer ist) und Fisch, aber für mich gab es ein extra vegetarisches Kari mit Käse, was auch unglaublich lecker war.Selbstverständlich kamen die Kellner noch zwei- oder dreimal mit dem Essen herum und fragten, ob man noch nachhaben wolle. Anschließend gab es dann eine Art Chips mit einem süßen Chattni. Chattni ist eine süße Soße z.B aus Tomaten. Hier war sie aus Honig mit Rosinen und Nüssen drin. Voll lecker. Und danach gab es dann so süße Zuckerbällchen ( eine typische Süßigkeit, die es bei Hochzeiten gibt) . So etwas kennen wir in Deutschland gar nicht. Überhaupt ist der Geschmack von indischen Süßigkeiten sehr anders als bei uns, daher kann ich das gar nicht gut beschreiben. Es ist auf jeden Fall sehr lecker. Und meistens sehr süß mit viel Zucker. Nach diesen Mishtis ( Süßigkeit auf Bengali) gab es dann eine andere Sorte, die nicht ganz so süß war, eher wie ein Kuchenboden nur lockerer und aus Reis gemacht.. Aber auch süß. Und als letztes gab es nun noch eine weiße süße Sorte, in der kleine süße Kugeln herumschwammen, so ein bisschen wie Grießkugeln. So und das wars dann schon. Danach war ich, wie man sich sicher vorstellen kann, auch für den nächsten Tag mitgesättigt. Zum Glück gab es dann eine gute Möglichkeit, seine Kalorien wieder loszuwerden. Als wir nämlich nach draußen gingen wurden wir von Raja und sehr vielen anderen Indern dazu aufgefordert, zu 90er Musik auf der Tanzfläche zu tanzen. Ja es gab eine Tanzfläche mit Discolicht. Da wir Raja diese Bitte nicht abschlagen wollten, ginge wir auf die Tanzfläche. Die Folge davon war, dass wir mit ca. 4 anderen Indern tanzten, während ungelogen 50 bis 100 Inder und Inderinnen um uns herumstanden und zuschauten. Das fand ich dann doch ein bisschen unangenehm, auch bezogen auf die Vorurteile, die ich beschrieben habe, und da es den anderen nicht anders ging, versuchten wir so schnell wie möglich von der Tanzfläche herunterzukommen. Dies gestaltete sich als einigermaßen schwierig, da die Inder uns gerne weitertanzen sehen wollte und uns die Menschenmenge wieder auf die Tanzfläche zerrte. Nach dem dritten Versuch gelang es uns dann aber. Trotzdem war es auch sehr lustig, vor allen Dingen, weil ich danach von vielen Indern ( auch vielen Frauen) angesprochen wurde, dass ich sehr schön tanzen kann. Ich bin ja nicht anfällig für Komplimente. Natürlich existiert jetzt auch ein Video vom Tanzen. Unser Gastvater sah es mit sehr viel Humor und mittlerweile haben wir alle, also auch die Gastfamilie beschlossen, alle zusammen bei der Hochzeit meine Gastschwester im Januar zu tanzen. Auf Hochzeiten haben wir festgestellt, ist es auch absolut kein Problem zu tanzen, wobei es bei anderen Festen für Frauen nicht ganz angemessen ist.

Mittlerweile war es schon ziemlich spät geworden und so gingen wir wieder ins erste Zelt, um uns von Raja und seiner Frau zu verabschieden. Dort wurden noch einmal eine Menge Fotos gemacht, so dass wir dann um kurz nach 12 die Hochzeit verließen. Alle waren sehr aufgedreht und es wurde noch viel geredet und gelacht. Insgesamt war es ein tolles Erlebnis mit einer sehr schönen Atmosphäre, etwas ganz Besonderes. Eine Hochzeit dauer immer 3 Tage, aber nu die Familie ist an allesn drei Tagen dabei. Deshalb freue ich mich schon sehr auf die Hochzeit meiner Gastschwester, da ich dort alle 3 Tage mitbekomme. Die Einzigen, die bei einer Hochzeit nicht ganz so glücklich sind, ist die Braut und der Bräutigam, da sie kaum etwas essen und sehr wenig schlafen.

Als wir wieder zuhause waren und uns abschminkten, versuchte ich auch, den Armreifen auf die gleiche Weise abzuziehen, wie ich ihn an meine Hand bekommen hatte. Leider war meine Hand aber offensichtlich angeschwollen, so dass ich den Armreifen auch mit der Plastiktüte nicht mehr abbekam. Letztendlich endete es so, dass ich Spülmittel auf die Plastiktüte schmierte und Jule mit ihrem ganzen Gewicht am Armreifen ziehen musste. So brach sie mir zwar beinahe meinen Daumen, aber wenigstens bekam ich so den Armreifen ab. Blaue Flecken hab ich trotdem bekommen.

Da ich gestern dann erst um kurz nach 1 im Bett lag, könnt ihr euch ja vorstellen, wie ich mich heute fühlte, als mein Wecker um 6 Uhr 30 klingelte. ;)

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Kommentare: 1
  • #1

    Christy (Donnerstag, 12 Juli 2012 04:27)

    Eine wirklich toll erzählte Hochzeitsgeschicht. Ich bin selber für Oktober zu eienr Hochzeit eingeladen und hoffe natürlich das ALLES klappt.
    Du hast mich schon ganz hippelig gemacht - echt schön.