Ein ganz besonderes Fest - Die Hochzeit meiner Gastschwester

Nun habe ich zum ersten Mal eine vollständige Hochzeit miterlebt und zwar die von meiner 23jährigen Gastschwester Mimi. Eine indische Hochzeit dauert 3 Tage. Die Vorbereitungen fangen jedoch schon Monate zuvor an. Schließlich müssen Saris gekauft werden, ein Raum gebucht, Essen bestellt und ähnliche Dinge erledigt werden. In Indien muss die Familie der Frau den Großteil der Hochzeit bezahlen, da das Mädchen danach in das Haus des Mannes zieht und ab da die Familie des Mannes für sie sorgt. Bereits vor der Hochzeit muss die Familie der Frau für jedes Mitglied der Familie des Mannes einen Sari oder Panjabi besorgen. Andersherum muss jedoch auch die Familie des Mannes das Gleiche für die Familie der Frau tun. Alles sehr kompliziert. Da die Hochzeit auch den Wert und den Stand des Mädchens zeigt, muss alles so teuer wie möglich sein. Es gibt Unmengen zu essen und das Mädchen bekommt als Mitgift sehr viel Goldschmuck und teure Möbel. Das ist auch einer der Gründe, warum viele ärmere Leute immer noch Jungen den Mädchen vorziehen, da diese einfach billiger sind.
Auch wir beteiligten uns und kauften uns für jeden der 3 Tage, die die Hochzeit dauert, einen Sari und schönen Schmuck . Aber für unsere Gastschwester taten wir das natürlich gerne und hatten mit unserer Gastmutter Radna sehr viel Spaß beim Shoppen. Erstaunlicherweise habe ich diesen Monat mein Taschengeld etwas überzogen.
So standen wir am Abend des ersten Tages der Hochzeit voll beschmückt in dem gemieteten Raum zusammen mit den 500 anderen Gästen, die von der Familie der Frau eingeladen worden waren. Bevor der Mann und die Frau verheiratet sind, dürfen sie einander nicht sehen, sodass Rajes unten auf einem Art Thron saß, während meine Gastschwester Mimi ein Stockwerk höher untergebracht war. Eines der weniger schönen Rituale einer indischen Hochzeit ist, dass Mann und Frau am ersten Tage der Hochzeit nach Sonnenaufgang nichts mehr essen, sondern nur trinken dürfen. Essen dürfen sie erst wieder abends, nachdem alle 500 Gäste ihr Abendessen bekommen haben. Somit war meine liebe Gastschwester am Abend wahrscheinlich schon relativ hungrig, trotzdem lachte sie und begrüßte jeden Gast. So beginnt nämlich die Hochzeit, dass die Braut alle Gäste begrüßt und Geschenke entgegennimmt, die meistens aus Saris bestehen. Wie viele Geschenke bei 500 Leuten zusammenkommen, kann man sich wahrscheinlich denken.
Eine Sache, die man sicher über eine indische Hochzeit sagen kann, ist, dass sie unglaublich farbenfroh ist. Alleine schon Mimi war wunderschön geschminkt und mit Blumen geschmückt und jeder Gast kam mit bunten Saris oder Panjabis.

Nachdem Mimi die Gäste begrüßt hatte, was an sich schon eine Weile dauerte, begannen die eigentlichen Rituale. Das nächste, was man an einer indischen Hochzeit bemerkt, ist, dass es unglaublich viele Rituale gibt. Ich beschreibe deshalb hier auch nur die wichtigsten, unter anderem den Moment, an dem sich Frau und Mann zum ersten Mal sehen. Rajes stand mitten im Raum, in den Mimi dann von mehreren Männern hineingetragen wurde mit einem Blatt vor dem Gesicht. Nachdem die Männer sie ein paar Mal um Rajes herumgetragen hatten, durfte sie ihn schließlich ansehen. Ein sehr schöner Moment, da beide anfingen zu kichern, besonders als man Rajes auch hochhob und einen Wettkampf begann, ob die Männer die Frau oder den Mann höher heben können.
Danach fand die eigentliche Zeremonie statt, bei der Mann und Frau schließlich verheiratet werden. Dazu saßen sie sich gegenüber und mussten sich an den Händen halten, während ein Priester sie segnete. Anschließend fand die Zeremonie statt, die in Deutschland das Übergeben der Ringe wäre. In Indien färbt der Mann der Frau den Scheitel des Haares mit roter oder orangener Farbe ein. Sieht man eine Frau in Indien, die einen roten Scheitelansatz hat, so ist das ein Zeichen dafür, dass sie verheiratet ist.
Nach einigen weiteren Zeremonien durfte dann auch Mimi endlich essen, nachdem sie den ganzen Tag gefastet hatte.
Der zweite Tag besteht aus dem Umzug des Mädchens in das Haus des Mannes. Dies war ein sehr emotionaler Tag, da Mimi sich dabei auch endgültig von ihrer Familie trennen muss. Selbstverständlich darf die Familie sie aber immer besuchen kommen. Nicht nur Radna, meine Gastmutter weinte, sondern auch viele andere Familienangehörige. Mimi allerdings nicht. Der Umzug ist in ihrem Fall aber auch nicht so dramatisch, da Rajes eine Straße weiter wohnt. Mimi zieht also nicht weit weg. Abends fand in seinem Haus noch ein Programm statt, bei dem gesungen und sogar ein wenig getanzt wurde.
Am Sonntag, also am letzten Tag, wurden die Freunde der Familie des Mannes eingeladen, da am ersten Tag nur einige Familienmitglieder des Mannes anwesend sein durften. Das Gleiche findet umgekehrt am letzten Tag statt. Dort dürfen nur einige Familienmitglieder der Frau anwesend sein und die Freunde der Familie des Mannes sind eingeladen. Anwesend waren hier über 600 Gäste. Somit fand im Prinzip das Gleiche wie am ersten Tag statt, nämlich das Mimi wieder Gäste begrüßen musste und Geschenke entgegennahm.
An diesem Abend schlafen der Mann und die Frau dann auch zum ersten Mal in einem Raum. Und ab dann darf die Braut das Haus des Mannes für 8 Tage nicht verlassen und nur sehr wenig besucht werden. Nach diesen 8 Tagen ist die Hochzeit dann vorbei. Insgesamt also sehr anders als eine deutsche Hochzeit mit vielen Ritualen, sehr farbenfroh, definitiv interessant aber auch sehr lang und anstrengend.

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