Ab aufs Land mit einem Mercedes ;)

Wieder einmal sitzen wir in einem übervollen Zug bei angenehmen 30 Grad. Diesmal aber zu einer Reise der anderen Art. Kein Urlaub, sondern praktisch eine Dienstreise mit unserem Gastvater Tapas und unserem Gastbruder Tunka. Auch die Köchin unserer Gastfamilie war dabei. Einzig Milan fehlte aufgrund Probleme mit seiner Ausreiseerlaubnis für Thailand, wo er sich jetzt grade befindet. Wohin waren wir unterwegs? Zu den Sundurbans, eine Region ca. 2 Stunden südlich von Kolkata, die am Ganges Delta liegt. Eine sogenannte „ rule area“ , also eine einfache Gegend mit kleinen Dörfern, wo der Großteil der Bevölkerung noch in der Landwirtschaft arbeitet und relativ arm ist. Alleine die Gegend zu erreichen gestaltete sich schon zu einer halben Weltreise. Zuerst mit zwei verschiedenen Zügen und dann mit einem vollgestopften Van, in dem ca. 28 Menschen mitfuhren, davon einige auf dem Dach :) Danach ging es weiter mit einem Art Fahrrad mit Motor, hinter dem sich eine hölzerne Ladefläche befand, die überdacht war, auf der wir alle Platz genommen haben. „ Unser Mercedes“, sagte Tapas nur lachend als wir ankamen. Hoheitlich tuckerten wir dann mit dem „Mercedes“ an kleinen Häusern vorbei.

Aber vor der Ortsbeschreibung erkläre ich am Besten erst einmal, was wir dort überhaupt wollten. Da es eine einfache Gegend ist und es sich viele Menschen nicht leisten können, ihre Kinder zur Schule zu schicken, hat Human Wave ( also meine NGO) dort viele Projekte, wo sie Schul- und Tutoralplätze für sehr viel weniger Geld anbieten. So befinden sich dort zwei sehr große Schulen und nicht weniger als 5 sehr gut besuchte Tutorials. Diese sollten wir nun einmal kennenlernen. Begleitet wurden wir von einer Belgierin, die ein Tutorial dort sponsert. Nun waren wir auf dem Weg zu eine der großen Schulen, in der wir dann auch übernachten wollten.

Erster Eindruck: HEIß !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Viel heißer als in Mankundu bestimmt so 36 Grad mit einer sehr hohen Luftfeuchtigkeit, so dass man praktisch den ganzen Tag in seinem eigenen Schweiß badetet :D Schöne Beschreibung, nicht wahr?

Zweiter Eindruck: einfach, aber schöööööööööööööööööön!

Tatsächlich ist die Gegend unglaublich schön. Weite Felder und viele kleine Seen. Dazu die einfachen Lehmhäuser, die sich perfekt in die Natur einfügen. Der Lehm hat übrigens einen Sinn. Da es so heiß wird und Lehm die Häuser unglaublich kühl bleiben lässt, ist das eine sehr gute Lösung, zumal es dort keine Ventilatoren und schon gar keine Klimaanlagen gibt. Leider wird es dadurch auch sehr dunkel in den Häusern, was wir feststellten, als wir in ein Haus hereinschnuppern durften. Elektrizität oder fließendes Wasser ist hier eine Ausnahme, dafür wird die Solarenergie von der Regierung gefördert und so haben die meisten Solaranlagen auf dem Dach oder zumindest Solarlampen.

Aber weiter mit der Beschreibung. So fuhren wir über kleine Wege mit dem ruckelnden Karren, denn Straßen gibt es nicht viele, was ein unglaublich neues aber tolles Gefühl des Reisens war und bestaunten alles, was wir sahen. Unterwegs wurden wir schon von unglaublich vielen Menschen begrüßt. Das ist auch etwas beinahe typisches für diese Region. Die Menschen sind sehr offen und reden auch gerne mit Fremden auch untereinander. Man merkte sofort, dass es dort starke Sozialstrukturen gibt und viel miteinander geredet wird. Allein an dem Bau der Häuser konnte man das sehen. Die Häuser waren so gebaut, dass man vor dem Eingang sitzen und mit dem Gegenüber reden konnte.

Beim Erreichen der Schule wurden wir begeistert begrüßt und es wurde ein Tanz aufgeführt. Wie es hier in Indien so üblich ist, bekamen wir auch Blumenkränze um den Hals gelegt.

Nachmittags machten wir noch einen langen Spaziergang und bestaunten die Natur und die Menschen, die auf den Feldern arbeiteten. Es wirkt vielleicht klischeehalft, was ich hier beschreibe, aber das war es ganz und gar nicht. Manche würden es vielleicht rückständig nennen, aber ich finde das stimmt nicht. Es ist nur anders. Und in mancher Hinsicht vielleicht natürlicher. Fakt ist, dass die Menschen dort nicht anders sind wie ich oder irgendwer anders. Vielleicht sind sie nicht so lange zur Schule gegangen. Ich habe die Menschen als sehr freundlich und neugierig gegenüber Fremden erlebt.

Nach dem Spaziergang war es bereits dunkel und wir liefen mit Taschenlampen ins Haus, bekamen unser Abendbrot und schliefen dann, jeweils zu dritt in Doppelbetten. Auch der Tagesrythmus ist anders. Da es nicht oder nur wenig Elektrizität gibt, gehen die meisten Menschen ins Bett, wenn es dunkel wird, stehen dafür aber auch um 5 auf. Wir machten es ihnen nach und besuchten am nächsten Tag sämtliche Tutorials, die alle sehr gut besucht waren. So bestand der Tag praktisch nur daraus, auf dem Karren bei glühender Hitze herumzufahren und die Gegend zu betrachten und fuhren dann am nächsten Tag wieder ganz gemütlich nach Mankundu.

 

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