Abschiedsgedanken

Wie verhält man sich, wenn man auf einmal merkt, dass ein Jahr voller aufregender und neuer Erfahrungen zu Ende geht? Wenn man auf einmal realisiert, dass alles, was man hier aufgebaut hat nicht bleiben wird. Es ist auf einmal ein Schock, zu merken, dass ich in 5 Wochen wieder zu Hause sein werde. Vor allen Dingen, da 2 der Freiwilligen bereits in einer Woche nach Deutschland fliegen. Dabei kann der Moment der Realisation in den unwahrscheinlichsten Situationen geschehen.
Freitag, 5. Juli: Ruth, eine Spanierin, die auch für einen Monat in unserem Projekt mitgearbeitet hat, fliegt nach 5 Monaten in Indien zurück nach Spanien. Nachdem wir alle ins Auto eingestiegen sind, welches uns zum Flughafen bringen wird, geht die Fahrt los. Und damit auch der Moment der Wahrheit. Denn als wir aus Mankundu herausfahren, schauen wir uns an und haben alle den selben Gedanken. Wir fühlen uns, als würden wir statt Ruth gerade Abschied nehmen. Schließlich stehen wir alle am Flughafen, als Markus auf einmal aus heiterem Himmel einfällt: Verdammt, in 2 Wochen fliege ich ja auch schon. Total geschockt schauen wir uns an. Nee, komm, erzähl doch keinen Blödsinn. Hat er leider auch nicht. Und auf einmal brach alles in Hektik aus. „ Bevor ich fliege, möchte ich aber noch so viel machen.“ Obwohl diese Art der Motivation auch nicht immer negativ zu sehen ist.
Innerhalb von einer Woche haben Milan und ich einen Ausflug mit unseren Adarshanagorekindern organisiert. Als wir gestern bei der Schule ankommen, stehen alle Kinder bereits schick herausgeputzt an der Schule und warten aufgeregt, bis endlich das Auto kommen wird. 25 Kinder und 10 Lehrer nehmen an diesem Ausflug teil. ( Ich gebe zu, dass die Lehrer genauso begeistert von einem Ausflug waren und deswegen eindeutig mehr Lehrer als notwendig mitgekommen sind). Und so ging es los, mit einem Haufen aufgeregter Kinder und Lehrer, die den ganzen Weg sangen und Sprüche riefen. Bereits hier war die Atmosphäre unglaublich schön und gelöst. Die erste Station war Bendal Church. Auf einmal war es still, als die Kinder mit großen Augen die Statuen und Bilder in der Kirche betrachteten. Nur einmal zur besseren Vorstellung, warum die Kinder so reagieren, will ich erwähnen, dass die meisten noch nie aus ihrer Slum community und ihrer Umgebung heraugekommen sind. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum sie alle orte, in denen wir waren, mit mehr Respekt und Bewunderung betrachteten als die meisten Menschen. Da es danach regnete, blieben wir noch in der Kirche und spielten Spiele und aßen Kekse und Eis. Ein Mädchen fragte mich, was wir nun tun würden und als ich ihr erzählte, dass wir später an den heiligen Ganges fahren und Egg rolls ( ein typisches indisches Essen) essen würden, umarmte sie mich, gab mir einen Kuss auf die Wange und sagte: „ Thank you, Miss“. Manchmal berühren einen die Freudereaktionen der Kinder auf solche Kleinigkeiten sehr. Nachdem wir noch eine Moschee besucht und einen Turm hinaufgestiegen waren, ging es dann endlich in den Ganges, wo die Kinder ganz begeistert so dicht wie möglich am Wasser saßen und ihre Egg rolls aßen. Baden wurde ihnen leider so von uns verboten. Nach diesem wunderschönen Tag aber auch anstrengenden Tag  ging es dann wieder zurück.

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